Donnerstag, 18. Juni 2015

Sparkassen-Finanzgruppe: Sind Verbünde noch zeitgemäß?

Von Ralf Keuper

Die Sparkassen, und mit ihnen auch häufig die Volks- und Genossenschaftsbanken, heben immer wieder gerne den Vorzug ihres betont dezentralen Organisationsmodells hervor. Auf den ersten Blick Bestätigung erfährt das Modell durch die Digitalen Währungen wie Bitcoin, mit ihrem dezentralen Ansatz, der keinen Intermediär benötigt. So weit wollen die Sparkassen die Rollen- und Machverteilung im Banking wohl nicht treiben ;-)

Wie auch immer. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist ein Konglomerat, dessen Unternehmen in den verschiedensten Bereichen tätig sind. Da wären zum einen die 417 Sparkassen, die DekaBank, die DSV-Gruppe, die acht Landesbanken, vier Factoring-Gesellschaften, 9 Landesbausparkassen bis hin zu einem zentralen IT-Dienstleister. 

In der Wirtschaftsliteratur wird die Frage, ob und inwieweit Konglomerate dem Unternehmenswert und der Rendite zuträglich sind, seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert. Die Idee vom Allfinanzkonzern, wie sie die Aachen-Münchener und später die Allianz verwirklichen wollte, bleibt bis auf weiteres eine Utopie. 

Seit Jahren sind bei den Sparkassen und Volksbanken die Tendenzen hin zu größeren Einheiten nicht mehr zu übersehen; genannt sei Zusammenführung der IT-Töchter des Sparkassenverbandes unter dem Dach der Finanz Informatik und zuletzt die Fusion der Fiducia und GAD.

Andreas Buschmeier ist der Ansicht, dass acht Landesbanken sieben zu viel seien. Es sind tatsächlich acht und nicht sieben, wie auf Wikipedia steht. Weiterhin stellt sich die Frage, ob 9 Landesbausparkassen und 417 Sparkassen sowie 4 Factoring und 4 Leasinggesellschaften nicht auch einige zu viel sind. Im Bereich Leasing/Factoring zeichnet sich bereits ein interner Konzentrationsprozess ab.

Fusionen werden sich nicht vermeiden lassen. Aber auch dann bleibt die Frage, ob ein Verbund wie die Sparkassen-Finanzgruppe auf Dauer noch agil genug ist, um auf die Veränderungen im Marktumfeld rechtzeitig reagieren zu können. Welche Rolle soll in dem Zusammenhang der Deutsche Sparkassenverlag (DSV) übernehmen, der in letzter Zeit mit der Übernahme von Payone und Girosolution für Schlagzeilen sorgte? 

Ist der Verbund überhaupt noch in der Lage, neue Impulse von außen aufzunehmen, vor allem dann, wenn diese nicht mehr wie sonst von Non- und Near-Banks ausgehen?

Wie kann sich ein Verbund wie die Sparkassenfinanzgruppe auf Dauer erfolgreich gegen die sog. digitalen Ökosysteme, die Hardware, Software, Logistik und Content aus einer Hand anbieten, behaupten? 

Weitere Informationen:

Nur Fusionen können die Landesbanken-Misere beenden

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