Mittwoch, 3. Juni 2015

Wie PSD II das Geschäftsmodell der Banken unterminiert

Von Ralf Keuper

Kann es sein, dass eine der größten Gefahren für das Geschäftsmodell der Banken von einer Directive mit der schnöden Bezeichnung PSD II ausgeht? 

Dahinter verbirgt sich die Payment Service Directive 2. Wer, wie ich, zuerst stutzten muss, befindet sich in bester Gesellschaft. Und zwar warf André Bajorat in seinem lesenswerten, und wohl auch wegweisenden, Beitrag Aus Banking-API wird Banking Service Provider die Frage auf: Regulatorik als unerwartete Hilfe?

Regulatorik als Hilfe - für wen? Die nähere Beschäftigung mit dem Thema zeigt, dass die Banken hier wenig Hilfe zu erwarten haben; mehr jedoch die Kunden sowie die Mitbewerber aus dem weiten Feld der FinTech-Startups sowie der Non- und Near Banks.

Wer sich einen ersten Überblick verschaffen will, sollte m.E. den Beitrag PSD beinhaltet viele neue Baustellen und das aktuelle Interview mit Dr. Hans-Martin Kraus in dem Newsletter der Fachzeitschrift die bank zu Rate ziehen. 

Dr. Kraus bringt das Dilemma der Banken recht schonungslos auf den Punkt:
Open Access bedeutet de facto eine Abschaffung eines wesentlichen Wettbewerbsvorteils für Banken, den exklusiven Zugriff auf Kontoinformationen. Per Gesetz wird künftig Dritten (unter Kontrolle des Kunden) der Zugang zu allen Informationen zu bestehenden Konten gewährt. Damit findet das bisherige Geschäftsmodell, in dem die Banken das Exklusivrecht über die Finanzverwaltung ihrer Kunden hatten, sein Ende. Für Nicht-Banken bedeutet der Eingriff des Regulators, dass sie ihre Innovationen auch auf den Bereich der Visualisierung, Prognose, Interpretation und Analyse von Kontodaten ausweiten und bisher unerlebte Mehrwertdienste bereitstellen können.
Was für Geschäftsmodelle daraus noch entstehen können, hat André Bajorat in dem erwähnten Beitrag schon mal durchgespielt. Und das dürfte nur der Anfang sein.

In der Directive eine Benachteiligung der Banken zu sehen, ist so abwegig nicht. Das muss eingeräumt werden. Jedoch ist der Trend wohl kaum noch aufzuhalten, evtl. noch umzubiegen. Wie Ernst die Lage ist, zeigt nicht zuletzt das Open API - Projekt der britischen Regierung

Die Kunden werden in Zukunft darauf pochen, dass ihre Daten auch ihnen gehören und sie über die weitere Verwendung (mit-) entscheiden dürfen bzw. müssen. Die Banken werden belegen müssen, warum die Kundendaten bei ihnen am besten aufgehoben sind. Diese Frage wird auf die Zukunft der Banken einen großen Einfluss haben. 

Update:

Über LinkedIn erreicht mich der Hinweis, dass sich PSD II als Phyrros-Sieg für die neuen Herausforderer herausstellen könnte bzw. wird, u.a. mit Verweis auf SecuRePay und andere noch im Raum stehende regulatorische Bestimmungen. Beispielhaft dafür ist der Vortrag girocard im Internet. 
Demnach sind also Anbieter wie PayPal von den neuen Bestimmungen mindestens so sehr betroffen, wie die Banken, eigentlich mehr noch, da die Banken sich in Sachen "Strong Authentifizierung" als Vorreiter sehen. 

So, so ...

Da möchte ich doch mal auf folgende Beiträge der letzten Zeit verweisen, die zeigen, dass die neuen Herausforderer keinesfalls so rückständig sind, wie einige noch anzunehmen scheinen:
Das sieht für mich nicht danach aus, als würden die diversen Mitbewerber der Banken an der Hürde Authentifizierung bzw. Fraud scheitern, ganz gleich, was da noch für Bestimmungen kommen mögen. Die Entwicklung der Identifikationstechnologien schreitet voran. An der Spitze sind dabei nicht selten eben jene Unternehmen, die von PSD II profitieren. Sollten die Banken hier noch, was ich bezweifeln möchte, über einen technologischen Vorsprung verfügen, so wird er schon bald eingeholt sein.

Es wird künftig, wie es in dem ersten Beitrag über Apple Pay heisst, eine Kombination verschiedener Sicherheitstechnologien geben. Hier geben aber nicht die Banken den Ton an. Hinzu kommen noch Lösungen aus dem Bereich Digital Identity. 

Diese Prognose wage ich ;-)

Weitere Informationen:

How to make money from PSD2

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