Mittwoch, 22. Juli 2015

430 Jahre Frankfurter Börse: Vom Münzgeld bis zur Blockchain

Von Ralf Keuper

Wie an keiner anderen Stadt Deutschlands lässt sich der Stilwandel im Banking und in der Bank-IT so gut nachvollziehen, wie an Frankfurt am Main. Bereits im Mittelalter war Frankfurt ein wichtiger Messeplatz, an dem die Händler aus dem Gebiet des damaligen Deutschen Reiches und dem europäischen Ausland zusammen kamen, um Geschäfte abzuschließen und Transaktionen durchzuführen bzw. zu initiieren. Als bevorzugtes Zahlungsmittel kamen dabei zunächst Münzen zum Einsatz, später griff man verstärkt auf Wechsel zurück. 

Im Jahr 1585 taten sich in Frankfurt 84 Großkaufleute zusammen, um eine Institution zu gründen, deren vorrangige Aufgabe es war, feste Wechselkurse zu bestimmen. Mit dem Wandel der Wirtschaft haben sich auch die Aufgaben der Börse, wie sie seit 1608 in Frankfurt genannt wurde, verändert. 


In den 1980er Jahren drohte der Finanzplatz Deutschland international zurückzufallen:
Die Infrastruktur für den Handel in Deutschland wurde Jahr für Jahr technisch verbessert, und 1986 versahen die acht deutschen Börsen ihre Arbeitsgemeinschaft mit einer neuen Verfassung. Aber andere Finanzplätze hatten mehr dafür getan, ihre Position im internationalen Wettbewerb zu stärken und Marktanteile zu gewinnen.  .. Die deutschen Börsen mussten aufholen. (Hartmut Schmidt: Die Entstehung der Deutschen Terminbörse 1982 und der Deutschen Börse AG 1992. Eine international erfolgreiche Neuordnung).
Auf Betreiben des damaligen Vorstandssprechers der Deutschen Bank, Rolf E. Breuer, nahm man auch in Deutschland den Aufbau einer internationalen Börse für den Optionshandel in Angriff. Im Jahr 1988 wurde als Trägergesellschaft die DTB Deutschte Terminbörse ins Leben gerufen. Ein weiterer Meilenstein war die Gründung der Deutschen Börse AG im Jahr 1992. 

Ende 1992 wurde die Umfirmierung der Frankfurter Wertpapierbörse AG in die Deutschen Börse AG sowie der Kauf von 100 Prozent der Anteile der DKV (Deutscher Kassenverein) und DTB (Deutsche Terminbörse) beschlossen. 
Für DKV und DTB zahlte die Deutsche Börse AG je 60 Mio. DM, was durch eine Kapitalerhöhung, aus Rücklagen und mit Fremdkapital finanziert wurde. Alle Anteile der Deutschen Wertpapierdaten Zentrale GmbH und der Deutschen Auslandskassenverein AG hielt die Deutsche Kassenverein AG. Mit ihr wurden auch diese beiden Gesellschaft in die Deutsche Börse AG integriert. Aktionäre der Deutschen Börse AG waren 234 Banken und 146 Makler. Der Konzern Deutsche Börse AG beschäftigte 1.200 Mitarbeiter. Endlich gab es ein Börsenunternehmen in einer Größenordnung, von der man das dauerhaft erwarten konnte, was Deutschland brauchte: eine international wettbewerbsfähige Infrastruktur für den Wertpapierhandel (ebd.).
Die Entwicklung im internationalen Börsenhandel stand seitdem nicht still. Heute wird der börsliche Handel fast vollständig automatisch abgewickelt. Im Jahr 1997 wurde das elektronische Handelssystem Xetra für den Kassamarkt eingeführt. Ein Jahr später erblickte Eurex, eine Terminbörse für Finanzderivate, das Licht der Welt. Seit 2012 gehört Eurex zu 100% der Deutschen Börse Group

Die Deutsche Börse Group ist inzwischen ein Technologieunternehmen von internationaler Bedeutung.
Die Entwicklung und Bereitstellung technischer Dienste wie Softwareentwicklung, Bereitstellung und Betrieb von Computern und Netzwerken, Bereitstellung und Betrieb des Teilnehmernetzwerks übernimmt die Deutsche Börse IT. 
Im Segment Market Data + Services stellt die Deutsche Börse Wertpapierkurse in Echtzeit sowie Informationsprodukte wie Aktienindizes und Referenzdaten (Stamm- und Termindaten zu Wertpapieren) zur Verfügung. Zum 31. Dezember 2012 wurden an der Börse Frankfurt über 990.000 Finanzinstrumente gehandelt. 
Die Deutsche Börse übernahm im November 2009 den US-Finanznachrichtendienst Need to Know News.
Um gemeinsam mit dem Berliner Technologiepartner Zimory als Anbieter von Cloud Computing-Leistungen und Händler von Cloud-Kapazitäten auftreten zu können, gründete sie im Juli 2013 die Deutsche Börse Cloud Exchange AG. (Quelle: Wikipedia)
Seit kurzem sorgt das Thema Blockchain auch bei den Betreibern der Börsen für wachsendes Interesse. Nachdem die NASDAQ bereits erste Annäherungsversuche unternommen hat, hat auch die Deutsche Börse ihre Zurückhaltung abgelegt. 

Mit Blick auf die wachsende Bedeutung digitaler Vermögenswerte eine weitsichtige Entscheidung. 

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