Sonntag, 19. Juli 2015

Der Untergang des Bankhauses Oppenheim

Von Ralf Keuper

Das Bankhaus Sal. Oppenheim konnte bis zum seinem Untergang auf eine lange und in geschäftlicher Hinsicht erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Weder Napoleon, etliche Wirtschaftskrisen und Börsenkräche noch der 1. und 2. Weltkrieg konnten die Bank aus der Bahn werfen. Stattdessen wurden dem Haus ihr Investment in einem Warenhauskonzern und einige Geschäftsbeziehungen, die man in der guten alten Zeit wahrscheinlich gemieden hätte, zum Verhängnis. 

Bereits im Jahr 2011 nahm sich eine Filmdokumentation des Niedergangs von Sal. Oppenheim an. 


Noch im Jahr 1994 verfasste Michael Stürmer ein Buch über die bis zu diesem Zeitpunkt alles in allem ruhmreiche Geschichte des Hauses Oppenheim: Wägen und Wagen. Sal. Oppenheim jr. & Cie. Geschichte einer Bank und einer Familie. Bereits im Jahr 2009 musste Stürmer in der Welt das Kapitel Aufstieg und Fall einer Bankiersfamilie hinzufügen. 

Im vergangenen Jahr beglückte Gabriele Thiemann die Öffentlichkeit mit ihrem Werk Mehr als eine Bank. Oppenheim in Köln
Etwas süffisant merkte die Kölnische Rundschau zu einigen auffälligen chronologischen Lücken des Buches an: 
Der Abschnitt "Ende der Familienära und Neuanfang" nimmt zweieinhalb Seiten ein. Mit keinem Wort wird der laufende Untreueprozess gegen die ehemals persönlich haftenden Gesellschafter erwähnt. Ebenso wenig Schadenersatzprozesse, die Anleger führen, nachdem Investments in einigen Oppenheim-Esch-Fonds nicht die erwartete Rendite erbrachten. Diese aktuellen Ereignisse seien noch nicht zu bewerten, so Teichmann. Dazu fehlten die Quellen. Insofern sei ihre Darstellung vorläufig. 
Für Teichmann liegt die Ursache für den Untergang der Bank bereits im Jahr 1989:
Teichmann macht als Keim der Probleme den Verkauf der Colonia 1989 aus, der Milliarden in die Kassen spülte. Die Bank habe sich neu erfinden müssen und sei dann von 1999 bis 2007 stark gewachsen. Dafür sei das Risikomanagement nicht effizient genug gewesen. Die Inhaberfamilien hätten auch versäumt, Entscheidungs- und Kontrollfunktionen anzupassen.
So kann man es auch umschreiben ;-)

Ihren vorläufigen (!) Höhepunkt erreichte die Tragödie in der vorvergangenen Woche, als die Ex-Chefs der Bank zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt wurden, eine davon ohne Bewährung. Inzwischen haben sowohl einer der Angeklagten wie auch die Staatsanwaltschaft Revision gegen das Urteil eingelegt

Das Drama ist noch nicht zu Ende. 

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