Donnerstag, 30. Juli 2015

Eine weitere Studie zur Digitalen Transformation bei Banken, oder: Nichts Neues unter der Sonne

Von Ralf Keuper

An Studien, welche die Digitale Transformation in den Banken zum Gegenstand haben, herrscht wahrlich kein Mangel. Anscheinend war die Business- und IT-Beratung Q_Perior mit Karl Valentin der Ansicht, auch ihren Beitrag leisten zu müssen, wie mit der Studie Die Digitale Transformation bei Banken, die in Kooperation mit der Frankfurt School of Finance erstellt wurde. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die digitale Transformation in den Banken noch nicht allzu weit fortgeschritten ist. 

Tatsächlich?

Wirklich bemerkenswert ist die zutage geförderte Ansicht unter den Befragten, die Verantwortung für die digitale Transformation liege in den Händen der IT-Abteilung. Die befindet sich in der Tat auf der obersten Führungsebene und nirgends sonst. 

Die Studie definiert drei Typen digitaler Geschäftsmodelle, welche für die Teilnehmer höchste Priorität haben:
  1. Web-/App- basierte Finanzorganisation (Digitaler Service zur weiteren Kundenintegration und -bindung): Vorbild SEB
  2. Digitale und mobile Bezahlsysteme (Digitale Plattform zur Generierung zusätzlicher Umsätze): Vorbild: PayPal 
  3. Finanzportale ohne Trading-Funktionen (Digitale Vermarktung von Informationen und Produkten) Vorbild: OnVista
Was den Punkt 1 betrifft, haben die Studienteilnehmer und wohl auch die Berater noch nichts von der mBank oder anderen Vorreitern gehört. 

Zu Punkt 2: Eine digitale Plattform zur Generierung zusätzlicher Umsätze? Daraus folgt, dass man glaubt, mal so eben ein digitales Ökosystem à la Apple, Google und Samsung aus dem Boden zu stampfen. PayPal ist als Vergleich nur sehr bedingt geeignet. 

Zu Punkt 3: Ein reines Finanzportal ohne Trading-Funktionen: Das ist der Stand vom Jahr 2000. Zu dem Zeitpunkt nämlich wurde dieses Modell bereits diskutiert. Da ist der Weg, den die Saxo Bank mit dem Trading Floor beschritten hat, doch weitaus innovativer und mutiger. 

Die Studie, bzw. die offizielle Mitteilung darüber, vermittelt den Eindruck, als hätte sich die Welt um die Banken herum kaum verändert. Um mit der Entwicklung Schritt zu halten, muss man eigentlich nur die gängigen Modelle kopieren und, wie schon so oft zuvor, in die eigenen Abläufe und IT-Systeme integrieren. Das dürfte erklären, weshalb die Mehrheit der Befragten die IT-Abteilung in der Pflicht sieht. 

Die vertikale Integration funktioniert nur leider nicht mehr. 

Als Ergebnis der Studie wird festgehalten: 
Die Implementierung digitaler Geschäftsmodelle und eine konsequente Digitale Transformation sind für Banken ohne Alternative, wenn sie auch zukünftig als erfolgreiche Teilnehmer in einem herausfordernden Marktumfeld agieren wollen.
Sollen die Banken jetzt tatsächlich versuchen, die Top-Geschäftsmodelle nachzubauen, also mal eben PayPal und Apple kopieren? 

Ist das noch realistisch? Sonst gibt es keine Alternativen? Ist das die Botschaft?

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