Mittwoch, 1. Juli 2015

Online Banken - Ultima Ratio des Banking?

Von Ralf Keuper

Banken, die ohne Filialen auskommen und ihre Dienste ausschließlich über das Internet anbieten, gelten für einige Branchenbeobachter und Protagonisten des Digital Banking als logische Konsequenz des technologischen und Werte-Wandels der vergangenen Jahre.

Bisher jedoch haben die Online Banken die von ihnen selbst geweckten und genährten Erwartungen kaum bis gar nicht erfüllen können. Die Revolution lässt weiter auf sich warten - und das nach so vielen Jahren. Jenseits der PR-Meldungen und nicht selten vollmundigen Rhetorik gibt die Bilanz zur Ernüchterung einigen Anlass. 

In einer Diskussionsrunde brachte der Chef der mBank, Michal Panowicz, einen begründeten Einwand gegen die hochfliegenden Pläne einiger Online-Banken:
Panowicz, who is best known for leading the development of mBank in Poland, disagreed, pointing to the delight mBank and other innovative banks in Europe bring to their customers daily. He pointed out that neobanks such as Simple, Moven, and even Fidor had paltry customer uptake. Fidor, he said, has about 60,000 customers after five years, while mBank had 130,000 in three days. Panowicz also lamented that “banks” is so often used when “U.S. banks” is meant. If you saw what other banks around the world had to offer, he said, you would hate your American bank even more.
Sicher, auch bei den Online-Banken gibt es beim Geschäftsmodell Unterschiede. Moven lässt sich nicht direkt mit Fidor vergleichen.

Jedoch gelten für Online Banken allgemeine, grundsätzliche Restriktionen, die es unwahrscheinlich machen, dass eine digital only-Bank eine profitable und zukunftsträchtige Alternative im Banking ist. Warum ich das so sehe, habe ich den folgenden Beiträgen zu erläutern versucht:
Das Geschäftsmodell einer klassischen Universalbank mehr oder weniger im Maßstab 1:1 in das Internet zu übertragen wird m.E. nicht funktionieren. Das ist letztlich nur neuer Wein in alte Schläuche. Das Geschäftsmodell vieler Online Banken ist in sich widersprüchlich, wie nicht nur Kevin Tynan in Are Virtual Banks Just a Flash in the Pan? meint:
Ironically, many fintech startups lead a schizophrenic existence. They spend much of their time acting like banks while also distancing themselves from them. Yet they can't exist without banks. They need to partner with them for checking accounts and insured deposits. A bank charter guarantees regulatory oversight, cybersecurity and a stable banking system — features you can't buy in an app store.
Solange diese Widersprüche sowie die genannten Restriktionen fortbestehen, bleiben die Erfolgsaussichten Digitaler Voll- bzw. Universalbanken m.E. sehr überschaubar. 

Etwas anders sieht das bei Online Banken aus, die Bestandteil digitaler Ökosysteme, wie von Alibaba, Google, Apple, Xiaomi oder facebook sind bzw. werden. Aber das ist ein anderes Thema. 

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