Donnerstag, 16. Juli 2015

Warum ist das Thema Digital Identity für die Banken erfolgskritisch?

Von Ralf Keuper

Das Thema Digital Identity wie überhaupt das der Identifikationstechnologien spielt für die meisten Banken nur im Zusammenhang mit den KYC-Prozessen eine Rolle. Sobald der Kunde authentifiziert und eindeutig identifiziert ist, lässt das Interesse an weiteren Einsatzfeldern der Digitalen Identität rasch nach. Ein Fehler, wie Meldungen der letzten Tage zeigen.

Da wäre zum einen die auf den ersten Blick recht unverdächtig erscheinenden Beiträge Could blockchain technology solve streaming music’s payment rows? sowie Consumers Want Privacy, Personalization, Thumbprint Scans. Mehr aufhorchen lassen dürfte dagegen Big data privacy startup Privitar attracts heavyweight investors.

Gemeinsam ist ihnen der Schutz bzw. der faire Umgang mit den Digitalen Identitäten bzw. Profilen der Nutzer. 

Doch zurück zu den eingangs erwähnten Beiträgen. In dem erstgenannten geht es um neueste Forschungen und Projekte, die versuchen, eine gerechte Entlohnung für Künstler bei den sog. Music-Streaming-Anbietern mittels Blockchain-Technologie durchzusetzen. Ein Unternehmen, das auf dem Gebiet der Identifizierung musikalischer und filmischer Inhalte bereits sehr weit ist, ist YouTube mit seinem ContentID System. In naher Zukunft könnte also Google über YouTube die Clearingstelle für die Abrechnung der Tantiemen und Lizenzgebühren der Künstler und ihrer Agenten sein. Überhaupt kann dieses Modell auf nahezu alle Digitalen Vermögenswerte wie Rechte, Patente und Lizenzen ausgedehnt und mit entsprechenden Finanzdienstleistungen angereichert werden.

In dem anderen Beitrag wird die wachsende Bereitschaft der Nutzer thematisiert, für Datenschutz bezahlen zu wollen. Schon jetzt verwenden die Mehrzahl amerikanischer und britischer Nutzer die Verfahren der Identity 2.0, d.h. die Authentifizierung mittels ihrer Konten in den sozialen Netzwerken. Mit Identity 3.0 verschiebt sich die Authentifizierung noch mehr in Richtung der großen Player wie Amazon, PayPal und Apple. Insbesondere Apple mit seiner AppleID werden große Chancen eingeräumt, die Identity 3.0 dominieren zu können: 
Consumers in both geographies also said they would use their Apple ID’s to not only register and log in to websites and apps (57 percent US, 44 percent UK) but they would also pay with it (50 percent US, 40 percent UK).
Sollte das zutreffen, und die Nutzer den bequemsten und zugleich, ihrer Ansicht nach, sichersten Weg für den Einstieg in die Angebote des Netzes wählen, dann bekommen Apple & Co. eine weitere wichtige Gatekeeper-Funktion. In gewisser Weise wandern die Stammdaten, die einst das größte Kapital der Daten in den Banken darstellten, ins Netz. In einer Welt, in der die M2M - Kommunikation und die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine eine zentrale Rolle übernehmen werden, können es sich die Banken eigentlich nicht leisten, diesem Treiben tatenlos zuzusehen und auf den Rang von Zulieferern und Infrastrukturanbietern reduziert zu werden. 

Weitere Informationen:


Die zentrale Rolle technischer Objekte im Medienwandel

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