Sonntag, 23. August 2015

Die Emanzipation der Firmenkunden und wie die Banken darauf reagieren können

Von Ralf Keuper

Mit ihrem White Paper The Irresistible Rise Of Corporate Sophistication bringen Bernd Richter und Ilja Ilit  eine weitere, wichtige Sichtweise in die Diskussion um die Emanzipationsbewegung der Firmenkunden im Banking. Hervorzuheben sind die Schaubilder auf den Seiten 6 und 9, die einen guten Eindruck der veränderten Gemengelage, des Stilwandels im Banking innerhalb der letzten Jahre vermitteln. 

Oder in Worten:
In more recent decades, corporate customers began the journey to optimizing their own in-house financial and operational sophistication through application of technology. This journey continued with Enterprise Resource Planning (ERP) and Treasury Management Systems (TMS) - by leveraging the expertise of major players such as SAP, Oracle and others. Greater corporate financial sophistication was first observed in multinational corporates (MNC), was then followed by mid-sized corporates (MidCorps) and later even adopted by the small-medium enterprises (SMEs).
Mehr als in der Vergangenheit sind die Unternehmen bestrebt, die Abhängigkeit von den Banken zu minimieren. Das wohl beliebteste Mittel dazu waren bisher die Innenfinanzierung und die Errichtung eines Inhouse Banking. Relativ neu ist die Beschaffung von Kapital über Anleihen. Die wachsende Verbreitung von Fintech, die fortschreitende Disintermediation im Banking und die Angebote sog. Non Banks haben die Zahl an Alternativen für die Firmenkunden erhöht. Die Frage, ob die Banken demnächst auch aus der Handeslfinanzierung verschwinden, ist daher keinesfalls nur akademisch (Vgl. dazu: KMU-Finanzierung mit FinTech-Startups und Internetkonzernen).

Von diesem Trend betroffen sind auch die Absatz- und Leasingfinanzierungsgesellschaften. Ihnen droht vor allem durch die Inhouse Banken der digitalen Ökosysteme Ungemach. Der Leistungsumfang dieser "Banken" ist jedenfalls dazu geeignet, große Teile des kurz- und mittelfristigen Finanzierungsbedarfs der SME bedienen zu können. Zu diesen Ökosystemen, über die künftig noch mehr Geschäfte als bisher schon abgewickelt werden, haben die Banken keinen direkten Zugang mehr. Ein echtes Problem.

Richter und Ilit empfehlen den Banken, eigene Ökosysteme mit externen Partnern, vorzugsweise aus dem Bereich Fintech, aufzubauen und den Einsatz analytischer Verfahren zu verstärken:
  • Leverage relevant insights derived from eligible data intelligence to offer services that the customer is showing you they really need (based on their previous patterns of banking behavior and cycles of service uptake).
  • Partner with financial technology firms as enablers to deliver extended product and processing capabilities (i.e. mobile payments, financial supply chain management etc.) to drive innovation enablement for corporate clients and thereby build deeper bankto-corporate intimacy and relevance.
Von den wenigen Optionen, die den Banken noch verbleiben, erscheinen mir diese als die vielversprechendsten. Hinzufügen möchte ich von meiner Seite die Errichtung kollaborativ betriebener Data Center und die intensive Beschäftigung mit dem Thema Identity 3.0

Auch dann wird es schwierig genug. Apple & Co. sind auch hier voraus. Die Banken müssen dazu mehr als einen Gang hoch schalten. Sonst ist das Stammgeschäft bald in den Händen anderer und es bleibt nur noch die Positionierung als Infrastrukturanbieter. 


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