Freitag, 14. August 2015

Die neuen Wirkungszusammenhänge im Banking

Von Ralf Keuper

Dass es sich beim Banking um eine besonders informations- und technologieintensive Branche handelt, ist an sich keine revolutionäre Erkenntnis. Wie stark dieser Zusammenhang inzwischen ist, zeigt die Aufmerksamkeit, die das Thema Fintech auf sich zieht. 

Diese Entwicklung ist Ausdruck eines tiefgreifenden Stilwandels im Banking, der wiederum Abbild eines neuen Zeitgeistes oder anders: eines neuen Wirkungszusammenhanges ist. 

Der deutsche Philosoph Wilhelm Dilthey machte den Unterschied zwischen den Natur- und Geisteswissenschaften an den jeweils verwendeten Wirkungszusammenhängen fest. 

Dilthey schrieb:
Unter diesem (den geistigen Wirkungszusammenhang) verstehe ich einen Zusammenhang von Leistungen, der in der Struktur eines Wirkungszusammenhangs gegründet ist. Das geschichtliche Leben schafft. Es ist beständig tätig in der Erzeugung von Gütern und Werten, und alle Begriffe von solchen sind nur Reflexe dieser seiner Tätigkeit. Die Träger dieser beständigen Schöpfung von Werten und Gütern in der geistigen Welt sind Individuen, Gemeinschaften, Kultursysteme, in denen die einzelnen zusammenwirken (in: Der Aufbau der geschichtlichen Welt in den Geisteswissenschaften)
Auch der derzeitig sich vollziehende Stilwandel im Banking verdankt sich nicht allein neuen Technologien, sondern auch veränderten Einstellungen und Werthaltungen in Form sozialer Innovationen, wie Open Innovation, Crowdsourcing, Sharing usw. . Ganz gleich zunächst, wie man persönlich dazu stehen mag, so sind sie doch Teile eines veränderten Wirkungszusammenhangs in Wirtschaft und Gesellschaft.

Auch das keine revolutionäre Erkenntnis. Der neuen Wirkungszusammenhang in Wirtschaft und Gesellschaft, dem auch das Banking unterliegt, lässt sich m.E. besonders gut am Beispiel der Datenwertschöpfungsketten verdeutlichen.

Da für das Banking noch keine vergleichbaren Veröffentlichungen vorliegen, greife ich dabei auf die Arbeiten von Hans Uszkoreit zurück, wie er sie in Datenwertschöpfungsketten für industrielle Anwendungen beschrieben hat. Besonders informativ ist die Folie 13 Ökosystem der Datenwirtschaft. Sie veranschaulicht das neue Kraft- und Spielfeld auf dem sich die Banken schon jetzt bewegen. Auf diesem Spielfeld, Ausdruck des neuen Wirkungszusammenhangs, entstehen neue Unternehmen und Geschäftsmodelle, wie wir sie im Banking derzeit am Beispiel der digitalen Ökosysteme und auch einiger Fintech-Startups beobachten können. Die Spielregeln ändern sich. Banken werden ihre Rolle in diesem neuen Feld erst noch finden müssen. Ihre alte Schlüsselstellung als zentrale Drehscheibe für die Informationsströme der Wirtschaft ist obsolet. Dafür verfügen die Banken nicht mehr über die ausreichende Digitale Souveränität

Neue Rollenbilder müssen her. Das erfordert jedoch ein wenig Dekonstruktionsarbeit ;-) Dazu ist es dringend nötig, die Blickverengung auf Fintech zu überwinden. 

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