Mittwoch, 5. August 2015

Fintech und der Elefant im Raum

Von Ralf Keuper

Fintech-Awards wohin das Auge reicht. Der Beitrag Der nächste Fintech-Award ist da äußert gar den Verdacht, Fintech sei auf dem Weg zum nächsten Hype-Thema.

Wie kommt ihr denn darauf?

Landauf landab schießen in Deutschland seit etwa einem Jahr die Fintech-Veranstaltungen wie Pilze aus dem Boden. Mit Ausnahme vielleicht von Wanne-Eikel und Verl-Kaunitz (womit ich keinesfalls etwas gegen diese Orte sagen möchte) kann sich eigentlich jede größere Ansammlung von Häusern in Deutschland mittlerweile rühmen, als Treffpunkt einer Fintech-Veranstaltung fungiert zu haben oder schon bald in den Genuss dieser Auszeichnung zu kommen. Munter zieht der Wanderzirkus von Stadt zu Stadt. Es tauchen immer dieselben Gesichter auf, die ihre Botschaften zum x-ten Mal den Gläubigen verkünden. Da wird auch mal gerne so richtig vom Leder gezogen. Alles in allem ein geschlossener Kreis. Mit der Zeit ist daraus ein richtiger Geschäftszweig entstanden - immerhin ;-)

So unterschiedlich die Interessen auch sein mögen, in einem sind sich die Akteure weitgehend einig:
Diesmal ist alles anders.
Tatsächlich?

Wie Sir John Templeton sagte:
Haussen werden im Pessimismus geboren, wachsen in Skepsis, reifen in Optimismus und sterben in Euphorie
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass der Markt gerade dabei ist, das Stadium des Optimismus hinter sich zu lassen ;-)
Die Banken haben das Potenzial längst erkannt, legen Fintech-Fonds auf und wetten damit quasi gegen ihre eigene Branche, deren Vertreter selbst als Käufer von Fintech-Startups aktiv sind. Kein schlechtes Geschäftsmodell.

Das Phänomen, das wir derzeit in der Fintech-Szene beobachten können, hat große Ähnlichkeit mit dem des "Elefanten im Raum". Damit ist etwas gemeint, das eigentlich offensichtlich bzw. zum Greifen nahe ist, den meisten aber nicht auffällt - wie ein Elefant, der sich im Raum befindet, an den man sich aber gewöhnt, dessen Anwesenheit man schlicht vergessen hat. Den "Elefanten im Raum" kann man auch als Lektionen der Vergangenheit interpretieren, als Muster, die sich durch die Wirtschaftsgeschichte ziehen und man nicht ignorieren sollte - sowohl was die Risiken aber auch was die Chancen betrifft. 

Der eigentliche Elefant im Raum, nicht nur im Banking, sind die digitalen Ökosysteme, wie Apple, Google, Alibaba, Amazon und Co.. Erst langsam wächst die Erkenntnis, dass hier das eigentliche Problem liegt. Demnächst kommen noch die Technischen Objekte bzw. das Internet of Things (IoT) hinzu. 

Insofern kann es mit Blick auf den Fintech-Sektor nicht schaden, die Worte Ken Fishers in die eigenen Überlegungen  mit einfließen zu lassen.
Wenn die Wall Street etwas liebt, kann die Logik noch so zwingend sein - eine Elefant ist das auf keinen Fall. ... Die Technologie mag ja großartig sein und die Spielregeln ändern; mag sein, dass ihre Erfinder und Hersteller große Profite erzielen, aber die echte Magie findet oft nicht bei den Investments in die unmittelbaren Player statt. Sie werden zu sehr geliebt und sind zu bekannt. Zu sehr in Mode. Und garantiert zu teuer. (in: Kasse statt Masse). 
Der Befund gilt m.E. mittlerweile auch für die Blockchain-Technologie, obschon der Fall hier (noch) etwas anders liegt.

Unterdessen zieht die Karawane bzw. der Wanderzirkus weiter. Bald auch in Ihrer Stadt bzw. Ihrem Dorf ;-)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen