Donnerstag, 27. August 2015

Innovationen im elektronischen Handel und in der Technologie beflügeln Payments-Branche

Von Ralf Keuper

Dass sich die Bereiche elektronischer Handel, Payments und Banking näher aufeinander zubewegen, war auf diesem Blog schon häufiger ein Thema:
In die Diskussion bringt nun Gerard Hergenroeder in seinem Beitrag Innovation in Commerce and Technology Drive Future Payments Revenue eine weitere interessante Perspektive. Für besonders gelungen halte ich das Schaubild, das den Wandel in der Payments-Wertschöpfungskette verdeutlicht. 

Hergenroeder verwendet in dem Zusammenhang den Begriff des Ökosystems, wie er zur Zeit in Mode ist - auch ich mache häufig von ihm Gebrauch ;-)

Die Bankenbranche stehe vor einem tiefgreifenden Wandel:
Are we ready for a radical change in what is offered to consumers, how it is offered and who offers it from a financial services perspective? The industry is at the cusp of considering the possibility of such a change. It is radical in that it can redefine the nature of banking and payments. The ecosystem as we know it today will undergo a massive transformation. A new set of players will evolve over time and displace of many of today’s industry leaders along with many of the industry suppliers.
Große Hoffnungen setzt Hargenroeder in die Blockchain, die das bisherige Geschäftsmodell auf den Kopf stellen werde, letztlich aber für die Banken große Chancen bietet.
In summary, innovation in commerce and new accounting approaches offers the banking and payments business a new way forward in terms of new revenue opportunities for the next generation in ways that no one could have ever imaged. The industry’s experience with Bitcoin yielded a far greater diamond in the rough, Blockchain. A secure shared ledger that is constantly being replicated every time something changes is a simple idea with far reaching impacts on the banking, payments and securities businesses. The road to broad adoption of new low cost payment networks and virtual currencies is a long one. One thing is for sure and that is the traditional payments value chain is poised for substantial change.
Keine Frage: Der Gedanke hat was.

Jedoch befindet sich das derzeitige Modell noch in seiner Frühphase. Und hier sind die digitalen Ökosysteme tonangebend. Sie werden ihren Einfluss in den nächsten Jahren noch ausdehnen. Das Schaubild verdeutlicht das eigentlich; nur, dass Hargenroeder den Eindruck vermittelt, dass die einzelnen Stufen von verschiedenen Unternehmen besetzt werden - Amazon, Apple, Alibaba, PayPal und Facebook sind dabei, die ganze Kette abzudecken. Das ist der entscheidende Punkt. Auch sind die Phasen nicht gleichwertig: Wer im Handel, an der Schnittstelle zum Kunden sitzt, hat einen entscheidenden Informationsvorsprung und Wettbewerbsvorteil den nachgelagerten Stufen gegenüber, vor allem dann, wenn er diese auch noch bedienen kann. 

Trotzdem: Hargenroeder trifft den Kern, wenn er den Wandel des Geschäftsmodells, in dem die vormals separten Teilen ineinandergreifen, hervorhebt. 
Als im vergangenen Jahr Apple Pay die Bühne betrat schrieb ich:
Beim mobilen Bezahlen geht es keineswegs "nur" um die Transaktion. Der Bezahlvorgang ist Bestandteil eines neuen Medienkanals, über den noch sehr viel mehr Angebote lanciert werden können - wie Loyalty-Programme, Personal Finance Management (PFM), Entertainment usw. Das (mobile) Bezahlen ist hier in wichtiger Baustein. Apple reagiert hier wie schon zuvor als erstes Unternehmen auf diesen Medienwandel.
Da stehen wir heute.

Ob und inwieweit die Blockchain in der Lage ist, den Banken zu ihrer einstigen Größe zu verhelfen ist derzeit schwer abzuschätzen. Jedenfalls sind sie nicht die einzigen, die das Potenzial erkannt haben. Überdies ist ein wenig Skepsis, was die baldige Verbreitung der Blockchain betrifft, durchaus angesagt. Empfehlenswert in dem Zusammenhang ist der Beitrag Understanding Music And Blockchain, Minus The Hype. Hinzu kommen noch physische Beschränkungen: Denn das Mining ist alles andere als "nachhaltig". 

Dennoch: Ein inspirierender Beitrag, der sich wohltuend von den Marketing- und PR-getriebenen Beiträgen zu dem Thema unterscheidet. 

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