Sonntag, 30. August 2015

New Banking und die Rolle der Medien

Von Ralf Keuper

Die Medien haben derzeit keinen leichten Stand. Von vielen Seiten schlägt ihnen Skepsis bis Ablehnung entgegen - und das nicht nur aus den Reihen der Wutbürger, die schnell mit dem Wort von der "Lügenpresse" zur Hand sind. Nein, auch andere vermissen die Vielfalt in den Medien. Über die Jahre hat sich hier eine Einheitssicht, ein Einheitsstil entwickelt, der wenig Raum für kreative Abweichung lässt. Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, Wolfgang Storz, dürfte mit seiner Einschätzung weitgehend richtig liegen, dass der Journalismus seine Kritiker und Gegner selbst produziert

Dabei sah es unmittelbar nach der Finanzkrise noch so aus, als hätte man in den Redaktionen die Lehren aus dem eigenen Herdenverhalten gezogen. Im Jahr 2010 übte Marc Brost in der Zeit in Wir waren zu feige Selbstkritik. Dazu bestand auch reichlich Anlass, wie u.a. die Studie Wirtschaftsjournalismus in der Krise - zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik thematisierte. 

Darin kamen die Autoren u.a. zu dem Ergebnis:
Der Wirtschafts- und in diesem Fall Finanz- und Finanzmarktjournalismus hat sich meist intensiv um die Perspektive der Anbieter und Anleger/Nachfrager gekümmert: Es wurden Produkte, Unternehmen und das Börsen-Geschehen dargestellt und analysiert; innerhalb dieser Perspektive gab und gibt es übrigens noch einmal eine Verengung, da Renditen, Marktchancen und Investitionen eine Rolle spielen, jedoch nicht soziale und ökologische Aspekte, Qualität und Zahl der Arbeitsplätze, Qualität der Produkte und die gesellschaftlichen Folgen der jeweiligen unternehmerischen Tätigkeit. 
Die kritische Darstellung der neuen Finanzbranche, ihr Wandel von einem Dienstleister zu einer Art Finanzindustrie, die Folgen daraus für das Gemeinwohl, also die Perspektiven von Volkswirtschaft und Gesellschaft waren dagegen kein Thema. Wenn berichtet wurde, dann über die neue Finanzindustrie als Zeichen von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und als Quelle für Gewinne und Arbeitsplätze am Standort Deutschland. Hier handelt es sich um eine Perspektivenverengung mit enormen Wirklichkeitsverlusten, die als schwere journalistische Verfehlung einzustufen ist.
Wie sieht es heute aus? Was die Rolle der Banken und Fragen der Regulierung betrifft, sind die Medien, nach meinem Eindruck jedenfalls, kritischer geworden.  Hier wirken scheinbar noch die Erfahrungen aus der Finanzkrise. 
Anders verhält es sich mit den neuen Modethemen, allen voran Fintech. Die Vermutung ist erlaubt, dass wir es hier erneut mit einem Herdentrieb zu tun haben, mit einer weitgehend unkritischen Übernahme von PR-Meldungen. Sicher - auch hier gibt es Ausnahmen. Sie sind jedoch zu rar gesät. 

Bereits vor einigen Monaten machte bank innovation auf die "Pay to Play" - Problematik in Dubious and Disturbing ‘Pay to Play’ in FinTech Media aufmerksam. 

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