Dienstag, 18. August 2015

Power Shift im Banking

Von Ralf Keuper

Obschon in Bankenkreisen die Meinung noch weit verbreitet ist, dass die Dienste ihrer Institute auch künftig noch gefragt sind, weil sie als Risikohändler und Wertaufbewahrer unverzichtbar, ihre Expertise unvergleichlich und das Vertrauen der Kunden noch immer hoch seien, lassen sich die Anzeichen nicht mehr übersehen, dass wir es im Banking mit einem Power Shift, einem Machtbeben bzw. einer Machtverschiebung zu tun haben. 

Als ich vor zwei Jahren das Konzept der Strategischen Wendepunkte von Andy Grove auf die Bankenbranche übertrug, waren die ersten Warnzeichen kaum noch zu übersehen. Grove riet Vertretern von Branchen, die sich auf einen strategischen Wendepunkt zubewegen, folgende Fragen zu stellen: 
  • Ändert sich ihr Hauptkonkurrent?
  • Ändert sich etwas bei dem Hauptanbieter von Komplementärprodukten? (Branchenstruktur)
  • Haben ihre Kollegen und Mitarbeiter nicht mehr alles im Griff? d.h. haben Sie den Kontakt zum Markt und den Kunden verloren?
Wohl nur wenige in den Banken werden Einspruch erheben, wenn wir feststellen, dass alle Fragen Stand heute mit Ja beantwortet werden können. 

Zwischen die Banken und ihre Kunden schieben sich die Neuen Intermediäre, diejenigen also, welche die digitale Kundenschnittstelle dominieren. 

Parallel dazu haben die Banken es in den letzten Jahren versäumt, auf die Veränderungen in den Kernbereichen ihres Geschäfts, wie im Mobile/Online Payments, B2B und B2C, mit entsprechenden Angeboten zu reagieren. Stattdessen liegen sie hier hinter Apple, Samsung, Google, Alibaba und PayPal weit zurück. Erschwerend kommt hinzu, dass die Banken ihre Digitale Souveränität eingebüßt haben, d.h. sie sind technisch (Betriebssysteme, Hardware) und organisatorisch (Distributionskanäle, Soziale Netzwerke) auf die Neuen Intermediäre bzw. die Digitalen Ökosysteme angewiesen. Hinzu kommen noch zahlreiche Fintech-Startups, die die Banken zwar nicht ernsthaft gefährden, ihnen aber empfindliche Stiche zufügen. Um souverän, wie in der Vergangenheit, auf die neuen Mitbewerber reagieren zu können, fehlt den Banken zum ersten Mal in ihrer Geschichte die nötige Schlagkraft. Finanzielle Ressourcen alleine ebenso wie die enge Beziehung zu den Regierungen reichen nicht mehr aus. Ihr Arm reicht nicht mehr weit genug. 

Neue Modelle, neue Rollendefinitionen sind nötig, wie die des Digital Identity Brokers. Hier könnte der Ausgangspunkt für neue Geschäftsfelder liegen, über die die Banken ihre Souveränität, zumindest aber Teile davon, zurückgewinnen könnten. 

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