Dienstag, 15. September 2015

Banken benötigen ein neues Business Design

Von Ralf Keuper

Trotz erster Zerfallserscheinungen wird dem Geschäftsmodell der Universalbank von verschiedenen Seiten noch ein langes Leben vorhergesagt. Freilich, die Bank muss "digitaler" werden, den Kontakt zu den Kunden über die "neuen" Kanäle intensiv suchen und pflegen. Über kurz oder lang wird den Kunden der Vorzug der Universalbank, die alles aus einer Hand anbietet, einleuchten. 

Dem wäre so, wenn sich die Umwelt, in der sich auch die Banken bewegen, nicht gravierend wandeln würde. Wenn der Chef von Daimler öffentlich verkündet, sein Unternehmen sein kein Automobilhersteller mehr, dann zeigt das, wie sehr altgediente Branchen bereits jetzt schon unter Druck geraten sind. Banken bilden hier ganz sicher keine Ausnahme. 

Bei Daimler, VW, BMW und anderen erkennt man, wenn auch widerwillig, die Neuen Realitäten an. In den Banken dagegen hält sich die Vorstellung, die Digitalisierung mittels Kooperationen mit FinTech-Starups wie überhaupt durch Investitionen in Fintech zu ihrem Vorteil nutzen zu können. In dieser Haltung werden sie von der Mehrzahl der Beratungshäuser unterstützt. 

Die Tatsache, dass die Banken ihre Schlüsselstellung im Informations- und Wirtschaftskreislauf verloren, dass sie ihre Digitale Souveränität in weiten Teilen eingebüßt haben, wird dabei verdrängt. 

Das Geschäftsmodell der Banken, daran führt kein Weg mehr vorbei, befindet sich in der Auslaufphase (Value Outflow). Das Business Design passt nicht mehr zu den Anforderungen der Umwelt. Die Wertschöpfung vollzieht sich außerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen: 
The migration of value can affect a specific division of a company, a whole company, or even a whole industry as customers make de facto choices about the business designs within an industry or flow out of one industry and into another with designs better configured to satisfy customer priorities an make a profit. ... In outflow .. value starts to move away from an organization's traditional activities toward business designs that more effectively meet evolving customer priorities. Although the value outflow may start slowly, it accelerates as a business design becomes increasingly obsolete. (in: Value Migration von Adrian Slywotzky) 
Versuche, die Wertschöpfung in den eigenen Unternehmensgrenzen zu binden, z.B. über das Universalbankmodell, werden scheitern. Das Geschäft verlagert sich auf neue Anbieter, deren Geschäftsmodelle besser zu den Anforderungen der Kunden passen, wofür neben zahlreichen FinTech-Startups vor allem die großen Internetkonzerne wie Apple, Google, Alibaba und Amazon stehen, die derzeit ganze Branchen, wie die Automobilindustrie, ins Visier nehmen. Hier bilden sich neue Unternehmensformen, Konglomerate, die sowohl die Breite (Horizontal) als auch die Tiefe (Vertikal) des Geschäfts abdecken. (Gut möglich, dass sich die Internetkonzerne irgendwann zu Tode siegen. Bis dahin dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen). Digitale Plattformen ersetzen die Universalbank bzw. übernehmen deren Funktionen. Das können sie aber nur, wenn sie über einen ausreichenden Informations- und Datenbestand verfügen, der sie in die Lage versetzt, Risiken frühzeitig zu erkennen, z.B. über das Kauf- und Suchverhalten im Internet. Banken kommen in diesem Szenario mindestens einen Schritt zu spät. Mit dem herkömmlichen Geschäftsmodell und Geschäftsverständnis kann die Aufholjagd nicht gelingen. Ohne Kooperationen im großen Stil untereinander, wie z.B. durch die Etablierung Kollaborativer Data Center, eilen ihnen Amazon, Google & Co. noch weiter davon. 

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