Dienstag, 8. September 2015

Carsten Maschmeyer prophezeit Fintech-Sterben

Von Ralf Keuper

Wo er Recht hat, hat der Recht: In einem Interview mit dem manager magazin prophezeit Carsten Maschmeyer der Fintech-Branche ein Massensterben.
Ich bin überzeugt: So wie es bei den Banken ein Filialsterben gibt, wird es auch ein Fintech-Sterben geben. Ich schätze, dass von den derzeitigen insgesamt 200 Firmen leider 90 Prozent auf der Strecke bleiben und nur circa 20 dauerhaft erfolgreich sein werden, sei es eigenständig oder an eine Bank angedockt.
Auch auf diesem Blog wurde der Fintech-Boom in mehreren Beiträgen kritisch beleuchtet, u.a. in: 
Größtes Hindernis für den langfristigen Erfolg der FinTech-Startups ist für Maschmeyer der Datenschutz. Das Vertrauen der Menschen in Markennamen sollte nicht unterschätzt werden, gerade beim Thema Geld. Im Zahlungsverkehr werde es daher weiter große Anbieter geben.
Finews merkt dazu an:
«Bei Geld verstehen viele Menschen keinen Spass», weiss Maschmeyer wohl aus eigener Erfahrung.
Das werden im Bereich Mobile Payments - Stand heute - Apple, Google und Samsung sein, die für die Transaktionsabwicklung weiterhin die Infrastruktur der Banken nutzen. Damit würden die Banken weiter in den Hintergrund gedrängt und auf die Rolle bloßer Infrastrukturanbieter reduziert. Bereits vor einigen Monaten warf Hans-Gert Penzel in der Sparkassenzeitung das Szenario an die Wand, die Banken könnten demnächst zum Kohleschippen degradiert werden

Weitere Informationen:

FinTech-Startups unterschätzen die Versicherer

Kommentare:

  1. 90%? Ist glaube ich zu hoch gegriffen. Aber 80% wären keine Überraschung. In so neuen Bereichen ist die Sterberate von neuen Firmen noch höher als in der normalen Wirtschaft (und auch noch über dem normalen Satz bei VC-finanzierten Firmen). Die 90% hören sich unfassbar viel an (was Medienleute natürlich ihrerseits toll finde), im Vergleich ist das IMHO dann aber doch nicht so unfassbar hoch …

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mag schon sein, dass 90 oder 80 Prozent Sterberate bei Startups normal sind. Um so mehr überrascht dann, dass dieser Tatbestand, dieses marktwirtschaftliche "Naturgesetz" in verschiedenen Kreisen, darunter Medien, Berater und Blogger, noch nicht in der Weise bekannt ist, wie man annehmen sollte. Für sie bevölkern noch immer haufenweise Einhörner die Startup-Szene ;-)

      Löschen
    2. Die Regel ist doch immer, wenn du 10 Startups hast, hast du 4-5 Pleiten, 3-4 die leicht positiv laufen und 1-2 die Knaller werden. Sollte sich eigentlich rumgesprochen haben. Aber nun gut, diese VC Ideen sind in Deutschland nicht so doll verbreitet.

      (Auch in einem anderen Aspekt: wenn man der Gründer eines der vier bis fünf Pleite-Unternehmen ist, ist man in D schnell "Verbrannt". In den USA ist es "normal", verbrannt ist man erst, wenn man mehrere Startups (mit guten Ideen) durch Missmanagement vor die Wand gefahren hat)

      Löschen
    3. In Deutschland ist die Auffassung weit verbreitet, dass jedes neu gegründete Unternehmen ein Erfolg werden bzw. sein muss - so weit richtig. Diese Haltung wird von vielen Medien jedoch unterstützt, indem sie die Chancen deutlich überbewerten und dabei auch nicht vor Vergleichen zurückschrecken, die an den Haaren herbei gezogen sind. http://bankstil.blogspot.de/2015/08/borsenbewertung-fintechs-hangen-banken.html In den USA ist man da realistischer - auch was die Risiken angeht. An Kritik fehlt es auch da nicht, nur hat diese keinen endgültigen Charakter, sondern wird im Stil "Shit happens" formuliert. Man neigt im angelsächsischen Raum nicht so sehr zu Extremen wie bei uns häufig noch. Deswegen sorgen dann Äußerungen, wie die von Maschmeyer, für Überraschung ...

      Löschen