Samstag, 19. September 2015

Muscheln, Münzen, Buchungszeilen: Geldgeschichte ist Weltgeschichte (Filmdokumentation)

Von Ralf Keuper

Die sehenswerte Filmdokumentation Muscheln, Münzen, Buchungszeilen: Geldgeschichte ist Weltgeschichte, schildert, wie der Name schon sagt, die Geschichte des Zahlungs- und Tauschmittels Geld von der Antike bis zum heutigen Tag bzw. bis zum Jahr 2012. 



In der Frühgeschichte der Menschheit erfolgte der Tausch noch mittels Naturalien, wie z.B. mit Salz. Nachtteilig daran war, dass die Tauschgegenstände nicht nur verderblich waren, sondern ihr Wert kaum exakt gemessen und allgemeinverbindlich festgelegt werden konnte. 
Metall erwies sich daher mit der Zeit als das ideale Zahlungsmittel, da es unvergänglich war und der Wert der Münzen dem Materialwert plus Prägekosten in etwa entsprach. So kamen ca. 600 v. Chr. die ersten Münzen in Umlauf. 

Erst im Mittelalter begann der Wert der Münzen deutlich über ihrem Materialwert plus Prägekosten zu liegen. Ebenfalls im Mittalter wurde die erste Banknote herausgegeben; und zwar in China im Jahr 1380 (Vgl. dazu: Bankhistorisches: Ein Blick ins alte China und auf das erste staatlich anerkannte Papiergeld).
In Europa kam das Papiergeld zuerst in Schweden und England zum Einsatz (Vgl. dazu: Die Geschichte der französischen Banken: Eine Tragikkomödie (Dokumentationsfilm).
Bis zur Aufhebung des Goldstandards war das Papiergeld mit Gold gedeckt. Seitdem benötigt das Geld als gesetzliches Zahlungsmittel das Vertrauen seiner Besitzer und der anderen Wirtschaftsteilnehmer. 

Das Buchgeld entstand bei den Arabern mit ihrem auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Hawala-Finanz-System, das wiederum Ähnlichkeit mit dem Zahlungssystem der Templer hat. 
Weiterer Meilenstein war die "Erfindung" der Schuldscheine und Wechsel, welche als Beginn des modernen Bankwesens gelten können. Wegbereiter war der Mathematiker Leonardo Fibonacci mit seinem Hauptwerk, dem Liber abacci.  Später begründete Cosimo de Medici die erste Bankendynastie der Geschiche. Er kann damit als Vater der Finanzwirtschaft bezeichnet werden. 
Im Jahr 1887 beschrieb Edward Bellamy in seinem Buch Ein Rückblick aus dem Jahre 2000 auf das Jahr 1887 eine Welt, in welcher Kreditkarten das wichtigste Zahlungsmittel sind. Die erste Kreditkarte wurde im Jahr 1924 von Western Union herausgegeben. 

Die Finanzkrise von 2007/2008 hat die Schattenseiten eines weitestgehend auf Buchgeld basierenden Finanzsystems verdeutlicht. Geld verhielt sich in den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise zunehmend selbstreferentiell, d.h. es wurde Mode, Geld mit Geld zu verdienen.

Die Geschichte des Geldes ist auch eine seiner Entstofflichung, wie aktuell das Beispiel der digitalen Währungen zeigt. Mag sein, dass das Bargeld irgendwann verschwinden wird. Geld wird es in irgendeiner Form jedoch immer geben. Jedenfalls kann eine arbeitsteilige Weltwirtschaft auf dieses Medium bis auf weiteres nicht verzichten. 

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