Montag, 12. Oktober 2015

Aktienanalysten und ihre erstaunliche Imaginationskraft

Von Ralf Keuper

Dass Aktienanalysten und Alchemisten einige Gemeinsamkeiten haben, dürfte vielen bekannt sein. Dennoch ist es immer wieder bewundernswert, mit wieviel Imaginationskraft einige Angehörige dieses Berufsstands gesegnet sind und den Ratsuchenden dadurch Orientierung zu geben vermögen. 

Ein aktuelles Beispiel liefert DAF zum Thema Wincor-Nixdorf-Aktie. Vor der Grafik, die das Desaster, sprich den Kurssturz der letzten Monate, kaum verhüllen kann, erkennt der Analyst nun eine Aufwärtsbewegung. Auch für die Zukunft sieht der Analyst weiteres Aufwärtspotenzial u.a. deshalb, da die Banken ihre Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker (!) weltweit ersetzen müssen. Denn alle sieben Jahre müssten, sollten, könnten .. die Geräte ausgetauscht werden, mittlerweile seien sie eigentlich schon überfällig. Komisch nur: das Argument kommt schon seit einigen Jahren. 

Die Tatsache, dass zahlreiche Bankfilialen schließen, u.a. wegen des veränderten Kundenverhaltens, Stichwort: Online Banking, dass viele Zahlungen in den Geschäften ebenfalls verstärkt unbar erfolgen, ist scheinbar noch nicht jedem bekannt. Es werden sogar schon die ersten Geldautomaten abgebaut - ganz ohne Ersatz. 

So ganz sicher ist sich der Analyst dann aber doch nicht, ob die Wincor Nixdorf - Aktie von der bevorstehenden Jahresende-Rallye in der gebührenden Weise profitieren wird. Überhaupt gebe es in der Finanzbranche interessantere Titel, wie die Allianz. 

Dann fragt man sich: Wozu das Ganze? 

Kommentare:

  1. Ich schaue mir gerne bei Youtube die Videos von Koko Petkov, Carsten Umland und anderen "erfolgreichen Daytradern" an und halte argumentativ dagegen. Ich finde es erschreckend, dass da offenbar viele junge Leute interessiert sind, und fragen, wie man einsteigen könne. Ich dagegen, nach etlichen Büchern über Finanzen, nach sechs Jahren an der Börse, der das langfristige Börsenengagement empfiehlt ("Buy and hold"), wird als Idiot hingestellt. Ich empfahl auch Kostolanys "Die Kunst, über Geld nachzudenken" als Einstiegsliteratur. Irgendwie kannten die selbsternannten Börsenexperten und Daytrader nicht einmal den alten Kosto.

    Man wird automatisch zum Buhmann, wenn man an der Illusion des schnellen Reichtums kratzt.

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  2. Vielen Dank für den Kommentar. Da kann ich nur zustimmen. Das Thema habe ich u.a. in der Besprechung von "Kasse statt Masse. Wie Sie mit einem konträren Investmentansatz Geld verdienen" von Ken Fisher gestreift. http://bankstil.blogspot.de/2015/08/kasse-statt-masse-wie-sie-mit-einem.html

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