Mittwoch, 28. Oktober 2015

Digitalisierung treibt die Bank-IT an ihre Leistungsgrenzen #3

Von Ralf Keuper

Die Banken kämpfen derzeit an mehreren Fronten gleichzeitig. Auf der einen Seite bindet die Umsetzung der diversen regulatorischen Bestimmungen, die als Folge der Finanzkrise noch zugenommen haben, die Kapazitäten, auf der anderen Seite setzen die Non- und Nearbanks, die nach dem Stammgeschäft trachten, die Banken unter Veränderungsdruck. Wer dann noch, wie die Deutsche Bank, mit tausenden von Gerichtsverfahren konfrontiert ist, dessen Handlungsfreiheit ist noch mehr eingeschränkt; von dem irreparablen Schaden für die Reputation ganz zu schweigen. 

Da die Deutsche Bank seit geraumer Zeit fast nur noch mit Negativmeldungen auf sich aufmerksam macht, wurde die Nachricht, wonach eine Zahlung über 6 Mrd. Dollar versehentlich auf das falsche Konto geleitet wurde, schon mit Humor aufgenommen. Nicht ganz so amüsiert war die FT in Even the biggest banks cannot afford $6bn systems errors. Bereits im vergangenen Jahr rutschten einige Kunden der Deutschen Bank ohne eigenes Zutun ins Minus.

Seit einigen Jahren reißen die Meldungen über Systemausfälle in den Banken nicht mehr ab, so dass sich der Eindruck zu verfestigen beginnt, dass die Digitalisierung die Banken-IT an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und darüber hinaus treibt. Ein Punkt, auf den auf diesem Blog mehrfach hingewiesen wurde:
Noch immer dominiert in den Banken das sog. Spaghetti-Phänomen, d.h. die Systemlandschaft ist geprägt von zahlreichen Insellösungen, die nicht oder nur kaum untereinander kommunizieren. Die Daten müssen häufig noch händisch bzw. durch eigens erstelle Prozeduren zusammengeführt werden. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen dem Anschein nach bei der Deutschen Bank, wie Martin Arnold in Deutsche Bank to rip out IT systems blamed for problems schreibt. Allein in London sind mehr als 100 Buchungs- bzw. Handelssysteme im Einsatz. 
Zurückzuführen ist die Spaghetti-Infrastruktur der Deutschen Bank vor allem darauf, dass über die Jahre die  (Fach-)Abteilungen eigene Systeme entwickelt oder hinzugekauft haben, ohne allzu große Rücksicht auf interne Standards, die IT-Strategie oder die Enterprise Architecture nehmen zu müssen. 

Dieser Zustand erschwert einerseits das interne und externe Reporting, wie überhaupt die Gesamtbanksteuerung, aber auch die Anpassung an das sich dynamisch verändernde Marktumfeld. Das sind zu viele Fronten gleichzeitig. Auf Dauer wird es nicht ohne strategischen Rückzug gehen. Da hilft auch nicht mehr die Modernisierung der Kernbankensysteme. Die Aktion wäre nur dann von Erfolg gekrönt, wenn die Banken als geschlossene Systeme agieren könnten, d.h. die vertikale und horizontale Integration neuer Technologien in die eigene Systemlandschaft ausreichen würde. Das ist jedoch nicht mehr der Fall. 


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