Donnerstag, 8. Oktober 2015

Zweifel an der disruptiven Wirkung von Fintech nehmen zu

Von Ralf Keuper

Abseits von den Jubelmeldungen und immer neuen Rekorden bei den Investitionen in FinTech-Startups, macht sich zunehmend Ernüchterung ob der disruptiven Wirkung der zahllosen "Einhörner" breit. 

Sicher - Warnungen vor einer Blase haben Konjunktur. Irgendwann tritt das befürchtete Ereignis ein, so dass man mit Stolz von sich behaupten kann, frühzeitig auf Fehlentwicklungen hingewiesen zu haben. Andere wiederum, die über Jahre den Hype befeuert haben, kommen auf einmal zu der nüchternen Feststellung, dass nun mal längst nicht alle Startups die ersten Jahre überstehen werden. Ach - wirklich?

Trotz der genannten Einschränkungen fällt auf, dass auch in den ansonsten - berufsbedingt -  zum Optimismus neigenden Kreisen, Zweifel laut werden, ob denn auch im Fintech-Sektor wirklich alles Gold ist was glänzt, wie in Is the Fintech Sector Overheating?.

Aber nicht nur Journalisten, Analysten und Investoren überkommen langsam Zweifel an der disruptiven Kraft von Fintech; auch Insider, Vertreter von Unternehmen, die selber im Fintech-Markt aktiv sind und/oder an FinTech-Startups beteiligt sind, melden sich mit kritischen Äußerungen zu Wort, wie der Chefstratege von Temenos, Ben Robinson, in seinem Blogbeitrag Fintech: friend or foe?, über den finews.ch in Temenos: Fintech ist eben doch nicht disruptiv berichtete. 

Er könne, so Robinson, nur sehr wenig disruptive Fintech-Startups am Markt erkennen. Die meisten würden sich darauf konzentrieren, bestimmte Segmente im Banking zu adressieren und diese effizienter zu machen. Damit würden sie paradoxerweise die Beharrungstendenzen im Banking noch verstärken, indem sie zur Kurierung an den Symptomen, nicht jedoch zur Ursachenbekämpfung beitragen. 

Die eigentliche Gefahr für die Banken gehe nicht von den Fintech-Startups aus, sondern von den großen IT-Konzernen wie Amazon und Apple, die über kurz oder lang die Kundenschnittstelle dominieren werden; ein Punkt, auf den in diesem Blog bereits mehrfach hingewiesen wurde, wie in 
Aus diesem Grund sind Kooperationen zwischen Fintech-Startups und Banken das Problem, als dessen Lösung sie sich ausgeben, d.h. sie überdecken das eigentliche Manko, indem man sich gegenseitig - in den Grundannahmen - bestätigt. Kurzum: Beide sind im selben System gefangen

Oder anders: Beide sitzen im selben, lecken Boot. 

Da empfiehlt es sich, folgenden Rat von Warren Buffett zu beherzigen:
Der Erfolg als Manager (gemessen an wirtschaftlichen Ergebnissen) hängt weit mehr davon ab, im Boot welcher Branche man sitzt, als davon, wie gut man rudert (obwohl Intelligenz und Einsatz natürlich in guten wie schlechten Branchen beträchtlich helfen). Sollten Sie sich in einem Boot wiederfinden, das chronisch leckt, dann verwenden Sie ihre Energie wahrscheinlich produktiver, wenn sie das Boot wechseln, statt Lecks abzudichten. (Quelle: Die Essays von Warren Buffett. Das Buch für Investoren).
Weitere Informationen:

FinTech ohne High Tech?

Fintech und der Elefant im Raum

Fintech: Wenn die Disruptoren disrupted werden

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