Freitag, 13. November 2015

Anmerkungen zur Zukunft der Regionalbanken

Von Ralf Keuper

Nach der Finanzkrise der Jahre 2007/2008 galten die Regionalbanken, womit in Deutschland in erster Linie die Genossenschaftsbanken und Sparkassen gemeint sind, als Gewinner. Anders als die Großbanken waren die Regionalbanken an dem Ausbruch der Finanzkrise in nur sehr geringem Umfang beteiligt und auch die Folgen schlugen hier bei weitem nicht so zu Buche. Eine Ausnahme waren einige Landesbanken. 

Bereits im Jahr 2009 wurden jedoch erste Risse sichtbar. So stellte Focus die Frage Wie heil ist die Sparkassen- Welt? Grund zur Sorge gab damals die Sparkasse Südholstein, die 17 Millionen Euro bei Anlagen bei Lehman Brothers und zwei weiteren Instituten sitzen ließ. Übrigens geriet die Sparkasse Südholstein einige Jahre erneut in die Schlagzeilen. So benötigte das Institut im Mai 2014 eine Finanzspritze von 30 Millionen Euro, wie das manager magazin in Drohende Schieflage bei Sparkasse Südholstein: Notruf im Sparkassenlager schrieb.

Spätestens seit der Niedrigzinsphase nehmen die Berichte, die sich skeptisch zur Zukunft der Regionalbanken äußern, an Zahl zu, wie in Regionalbanken: Die Krise der MusterschülerSparkassen in Schieflage oder aktuell Die neun Probleme der Sparkassen
Die Volksbanken kamen in den Beiträgen bisher gut weg. Das liegt u.a. daran, dass ihre Produktivität weit über jener der Großbanken liegt. Die DZ Bank, das Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken, glänzte zuletzt mit überragenden Geschäftszahlen. Insgesamt erzielte die Gruppe der Genossenschaftsbanken im Jahr 2014 einen Gewinn von 10,7 Milliarden Euro

Und dennoch wollen die Stimmen der Zweifler nicht verstummen. Recht scheinen ihnen auf den ersten Blick die sinkende Zahl der Filialen sowie die steigenden Fälle von Fusionen zu geben. Im April verfasste Heinz-Roger Dohms einen Erfahrungsbericht, indem er sich besorgt um die Zukunft seiner Bank, der Spar- und Darlehenskasse in Hoengen, zeigte. 

Da in den Regionalbanken der überwiegende Teil der Einnahmen aus dem Zinsüberschuss stammt, sind von der Niedrigzinsphase besonders betroffen. Hinzu kommt noch die Umsetzung der regulatorischen Vorgaben, die einen hohen Aufwand auf der Personal- und IT-Seite erzeugen sowie ganz allgemein die fortschreitende Digitalisierung, die ebenfalls Anpassungen an den Strukturen erforderlich macht. Und nicht zuletzt die Begehrlichkeiten neuer Mitbewerber, wie FinTech-Startups und die großen Technologiekonzerne. Nicht zu vergessen: Der Wertewandel und das veränderte Mediennutzungsverhalten der nachwachsenden Generationen. 

In der Vergangenheit hat es immer wieder Schieflagen einzelner Institute gegeben. In den 1990er Jahren geriet die DG Bank, das damalige Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken, in eine bedrohliche Schieflage. Im Jahr 1996 berichtete der Spiegel von z.T. gravierenden Mängeln im Internen Kontrollsystem zahlreicher Genossenschaftsbanken. Hohe Ausfälle im Firmenkundengeschäft zwangen die Kölner Bank im Jahr 2003 zu hohen Wertberichtigungen, worüber das Handelsblatt in Hoher Wertberichtigungsbedarf wegen Insolvenzwelle: Kölner Bank gerät in Schieflage schrieb.

Die Sparkassen haben in den letzten Jahren einiges an Vertrauen verloren, nicht zuletzt durch diverse Skandale, wie Marc Beise in Wie die Sparkassen Vertrauen verspielen beklagt. Gut in Erinnerung dürfte einigen der Skandal der Sparkasse Düsseldorf vor wenigen Jahren sein. Vor einigen Monaten sorgte die Stadtsparkasse Düsseldorf erneut für Aufmerksamkeit, diesmal allerdings deutlich harmloser. Dazu: Sparkasse verrechnet sich bei Werbung an Tankstellen. Für negative Schlagzeilen sorgte in der Vergangenheit auch die Sparkasse Köln-Bonn

Das alles ist zwar nicht sonderlich erfreulich, kommt aber in großen Verbünden mit mehreren hundert Instituten immer wieder mal vor. Daran alleine werden weder die Genossenschaftsbanken noch die Sparkassen scheitern. Auch die Niedrigzinsphase, so sehr sie auch die Bilanzen belastet, wird nicht das Ende einläuten, zumal die Situation auch für alle anderen Banken gilt, wenngleich es z.T. signifikante Unterschiede bei der Refinanzierung gibt. 

Da wiegt der Umstand, nämlich der Wertewandel, das veränderte Mediennutzungsverhalten und das Aufkommen neuer Mitbewerber, die sowohl über die Technologie als auch über die Kundendaten verfügen, weitaus schwerer. Das ist im Zusammenspiel mit der Digitalisierung eine neue Dimension, für die die alten Rezepte kaum noch gelten. 

Problematisch ist vor allem, dass die Regionalbanken ihren Wettbewerbsvorteil aus ihrer lokalen Verbundenheit beziehen, was aber durch den Rückzug aus der Fläche unterhöhlt wird. Irgendwann gleichen sich die Großbanken und Regionalbanken einander an, so dass der Kunde sich fragt, worin der Unterschied noch bestehen mag. Und wenn dann noch genügend andere Alternativen zur Verfügung stehen, die dem Verhalten im "digitalen Alltag" ohnehin besser entsprechen, dann wird es wirklich eng. 

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