Sonntag, 15. November 2015

Muss Deutschland in Sachen Fintech aktiv(er) werden?

Von Ralf Keuper

Seit einiger Zeit sind vermehrt Stimmen zu vernehmen, die es für ein Problem halten, dass Deutschland, was die Investitionen in Fintech betrifft, auf globaler Ebene nur relativ schwach vertreten ist. Selbst deutlich kleinere Länder, wie Israel, Schweden, die Niederlande und Irland rangieren hier vor Deutschland. Ein Hinweis, der von verschiedenen Seiten kommt, wie von Barkow Consulting in FinTech + Politics = ? oder der Financial Times in Aversion to risk hampers growth of German fintech sector. Die FT hält u.a. fest: 
In aggregate, however, investments in German fintech are lagging behind the levels seen in other European countries. According to Accenture, German fintechs attracted $82m in investments in 2014. That compared with $306m in the Netherlands, $345m in the Baltic region, and $623m in the UK and Ireland.
Es ist eine auf diesem Blog vertretene Überzeugung, dass man beim Vergleich der Länder vor allem den jeweiligen Wirtschaftsstil, das Wirtschaftsmodell berücksichtigen muss, wie in 
Anders als Großbritannien und auch die USA hat die Deindustrialisierung in Deutschland nicht dasselbe Ausmaß erreicht. Der industrielle Kern in Deutschland ist weitgehend intakt und für die Volkswirtschaft von deutlich größerer Bedeutung als die Finanzbranche. Es sollte eigentlich eine Lehre aus der jüngeren Vergangenheit sein, dass ein überproportional großer Finanzsektor ein Problem für eine moderne Volkswirtschaft darstellt. Die deutsche Zurückhaltung nun als Ausdruck von übertriebenem Sicherheitsdenken interpretieren zu wollen, zeugt von einem Kurzzeitgedächtnis, wie es vor allem unter Wirtschaftsjournalisten häufig anzutreffen ist. 

Während also in Deutschland Themen wie Regulatorik und Datenschutz nicht selten als Hemmnisse dargestellt werden, die es möglichst aus dem Weg zu räumen gilt, um an der Wachstumsdynamik partizipieren zu können, gehen die amerikanischen Unternehmen wie Apple und Microsoft den umgekehrten Weg und setzen eben diese Themen ganz oben auf ihre Agenda. Auch sonst ist man sich im Ausland relativ einig, dass die Themen Datenschutz und Datensouveränität eine ausschlaggebende Rolle übernehmen werden; auch und insbesondere für das künftige Wachstum.
Und wir machen jetzt einen auf Risiko nach dem Motto "Wer bremst hat Angst!".  Wie schlau ist das denn? 
Ein weiterer auf diesem Blog vertretener Standpunkt ist, dass die größte Bedrohung der Banken und Fintech-Unternehmen von dem Internet of Things oder der Industrie 4.0 ausgeht, wie in 
Beide, sowohl Banken wie auch Fintech-Unternehmen, denken noch viel zu sehr in den Kategorien der klassischen Universalbank - nur eben digitaler. Hier sehe ich für Deutschland gute Chancen. In Verbindung mit der Digitalen Identität bekommt das Szenario noch mehr Reiz. Auch hier haben Fragen der Sicherheit und Zuverlässigkeit hohe Priorität, was wiederum ein Vorteil für Deutschland ist. 

Das alles bedeutet keineswegs, dass wir hierzulande nichts vom Ausland lernen können. Das können wir sehr wohl. Was etwa die Themen Digitale Identität und Open API betrifft, sind uns z.B. Großbritannien und Kanada voraus. Auch sonst lohnt sich der Blick zur Insel, wenngleich ich damit weniger die Londoner City meine, so naheliegend und verführerisch der Gedanke auch sein mag ;-)

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