Montag, 21. Dezember 2015

Der Untergang von Drexel Burnham Lambert

Von Ralf Keuper

In den 1980er Jahren zählte Drexel Burnham Lambert zu den größten und renommiertesten Investmentbanken der Welt. Berühmt, gefürchtet wurde Drexel vor allem als "Erfinder" der Junk Bonds. Der Drexel-Trader Mike Milken war der heimliche König der Junk Bonds und gefeierte Star der Wall Street. Alles, was er anfasste, schien sich in Gold zu verwandeln - selbst Ramschanleihen. 

Von der Jubelstimmung wurden auch die Wirtschaftsmagazine erfasst, wie das manager magazin, das in der Ausgabe 7/87 in dem Beitrag Millionen mit Dreck Junkbonds als neue Masche der Geldanlage und Mike Milken, Senior Vice President und Chef der Übernahmeabteilung von Drexel, als das Wunderkind feierte: 
Milken  hat einen der heißesten Märkte der Finanzszene aufgebaut: das Geschäft mit den hoch riskanten aber auch hoch rentierlichen Junk Bonds. Schon Ende der 70er Jahre erklärte Milken diese drittklassigen Papiere zu hoffähigen Anlageobjekten und löste damit eine riesige Spekulationswelle aus. ... 

Schon als Student - er  machte MBA-Examina an den Universitäten in Berkley und Pennsylvania (Wharton) - hatte das Finanzgenie herausgefunden, dass die Ausfallquoten bei drittklassigen Anleihen statistisch betrachtet erstaunlich niedrig war. Tatsächlich lag die Rate der nicht getilgten Verbindlichkeiten zwischen 1974 und 1986 im Schnitt bei nur 1,5 Prozent. Milken rechnete und kam zu dem Schluss, dass selbst bei einer Ausfallquote von sechs Prozent die Durchschnittsrendite der Junk Bonds den Renditen der risikolosen Staatsanleihen entsprach.
Mal so richtig in Fahrt, fügte der Autor Torsten Schubert seiner Eloge noch hinzu:
Grund zum Klagen haben Milkens Kunden bis heute noch nicht gehabt. Der von ihm initiierte Junk-Bond-Index kletterte trotz gelegentlicher Pleiten und Insiderskandale allein im vergangenen Jahr um satte 19 Prozent. Dieser Index ist eines von Milkens größten Steckenpferden. Hier beweist der clevere Profi, dass es möglich ist, mit einem gut diversifizierten Junk-Porfolio mehr Geld zu verdienen als mit regulären Anleihen allererster Güte. 
Bereits 1988 wurde offensichtlich, dass man auch bei Drexel Burnham Lambert noch nicht so weit war, Wasser in Wein zu verwandeln. Eher schon gewannen Beobachter den Eindruck, es mit einer Finanzalchemisten-Vereinigung zu tun haben. 

In dem Beitrag The Collapse of Drexel Burnham Lambert; Key Events for drexel Burnham Lambert gab die New York Times einen Überblick über die Chronologie der Ereignisse, an deren Ende der Untergang der Investmentbank stand und dessen Hauptakteur das einstige Finanzgenie Mike Milken war:
September 1988: In a civil complaint, the Securities and Exchange Commission accuses Drexel and Mr. Milken of insider trading, stock manipulation, and assisting in tax law violations. .. 
February 1989: Mr. Milken formally challenges provisions of the Drexel plea-bargaining agreement that calls for his dismissal and withholding of his pay and compensation for 1988. .. 
March 1989: Federal grand jury indicts Mr. Milken on criminal racketeering charges and seeks $1.8 billion in forfeitures from Mr. Milken and other defendants.
June 1989: Michael R. Milken resigns from Drexel and announces that he will form his own financial consulting firm. ...
February 13, 1990: Drexel Burnham Lambert Group, the holding company, is strapped for cash in the midst of growing turmoil in the junk bond market. Drexel Burnham Lambert Group defaults on $100 million loan and files for Chapter 11 bankruptcy protection.
Intensiv mit dem Niedergang des Hauses Drexel und dem Akteur Mike Milken beschäftigt hat sich u.a. James B. Stewart in seinem Buch Den Of Thieves.


Nur wenige Jahre vor Milken geriet eine weitere Finanzlegende jener Zeit in das Visier der Ermittlungsbehörden - Ivan Boesky, der wohl die schillerndste Figur von allen war. Boesky wurde 1987 wegen Insiderhandels zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, worüber die New York Times in Boesky sentenced to 3 years in jail in insider scandal berichtet. Boesky war Kunde der Abteilung bei Drexel, die von Milken geleitet wurde. 

Boesky und Milken haben die Prozesse, Zahlungen und Gefängnisaufenthalte finanziell gut überstanden. Milken wird auf ein Vermögen von 2,5 Mrd. Dollar geschätzt und Boesky muss sich nicht wirklich einschränken. 

Der New Yorker Schriftsteller Tom Wolfe hat das besondere Klima jener Zeit in New York in seinem Buch Fegefeuer der Eitelkeiten persifliert. 

In einem Interview mit dem Spiegel aus dem Jahr 1988 ("Noch mal rauf, ehe es endgültig kracht") schilderte Wolfe seinen Eindruck der Stimmung, wie sie in den 1980ern in New York vorherrschte:
Ich lebe jetzt hier seit 26 Jahren, so hitzig wie jetzt war das Geldfieber noch nie. Der Grund liegt bei den Investment-Banken und in der Spekulationsbranche. Das ist eine richtige Industrie geworden, dort arbeiten inzwischen mehr Menschen als in der Textilbranche. Diese Geldmaschine bestimmt das gesamte kulturelle Klima der achtziger Jahre, .. .
Dieses besondere Feeling hat sich, wie wir heute wissen, erstaunlich lange gehalten und ist keineswegs nur auf die 1980er Jahre und nicht allein auf New York beschränkt ;-)

Weitere Informationen:


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen