Freitag, 15. Januar 2016

Banking in der Me2B-Ökonomie: Personal Data Banks

Von Ralf Keuper

Die Banken stehen vor der Herausforderung, sich als Finanzintermediäre in einem Umfeld zu behaupten, das durch eine Machtverschiebung gekennzeichnet ist, und zwar insofern, als dass die Internetkonzerne an vielen Stellen im Internet den Informationsfluss dominieren. Zwar verfügen die Banken in ihren Systemen über ein enormes Volumen an Kunden- und Transaktionsdaten, die jedoch in der Mehrzahl nur ex-post - Betrachtungen zulassen. Die Kunden bewegen sich in der Mehrzahl auf den diversen digitalen Plattformen, die bestrebt sind, alles aus einer Hand anzubieten. Die Daten, welche die Kunden während ihres Aufenthalts auf den Plattformen hinterlassen, können dazu verwendet werden, noch passgenauere Produkte und Services zu kreieren. Auf diese Weise können zahlreiche Hersteller und Dienstleister überflüssig oder auf den Rang von Zulieferern reduziert werden.

Um diesem Dilemma zu entgehen, versuchen einige Unternehmen, wie Unilever, eine direkte Verbindung mit ihren Kunden aufzubauen. Für dieses relativ neue Wirtschaftsmodell hat sich der Begriff Me2B eingebürgert. 

Auf CtrlShift heisst es zu diesem Stilwandel:  
First, we are shifting from a world of ‘top down’ information flows (traditional media and advertising) to bottom up and peer to peer. All the big new platforms of the 21st century including Google, Facebook, Twitter and Linked are driven by information input and volunteered by individuals. Traditional B2C business models are predicated on these fading ‘top down’ information flows.

Second, a million–fold fall in the costs of gathering, storing and sharing information over the past few decades means that individuals can now do things with data that only large corporations could do a few a decades ago. That means B2C assumptions that only organisations can make commercial use of data are crumbling.
Das würde auch das Banking erneut verwandeln. Die Kunden in der Me2B - Ökonomie würden den Banken bestimmte Daten direkt, d.h. unter Umgehung der Internetkonzerne und digitalen Plattformen, zur Verfügung stellen und dafür im Gegenzug bessere Konditionen bekommen. Von besonderer Bedeutung wäre dabei die Digitale Identität, über die sich die Kunden ausweisen. Banken müssten sich dazu in Trusted Platforms, in Personal Data Banks, wandeln. Diese Rolle können allerdings auch andere Anbieter übernehmen, d.h. es muss nicht zwangsläufig eine klassische Bank sein. Jede Institution, die in der Lage ist, das nötige Vertrauen herzustellen und zu rechtfertigen, kann diese Rolle übernehmen. Eine Bank nach heutigem Verständnis kann diese Rolle nicht ausfüllen. Dafür fehlen sowohl die Strukturen wie auch die Technologien. Aber was nicht ist, kann ja noch werden ... 

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