Mittwoch, 6. Januar 2016

Btx-Banking: Vorläufer der (privaten) Blockchain?

Von Ralf Keuper

Nicht nur aus nostalgischen Gründen lohnt ein genauerer Blick auf das Btx-Banking. Er hilft m.E. die aktuelle Situation im Banking besser einzuordnen, sowohl was die Risiken wie auch was die Chancen betrifft.

In seinem Buch Bankmarketing ging Hans E. Büschgen näher auf das damals (1995) noch relativ neue Phänomen des Btx-Banking ein:
Beim Btx-Banking handelt es sich um einen dem Telefon-Banking sehr ähnlichen Vertriebsweg. Das Btx-System im allgemeinen stellt dabei ein Rechnerverbundsystem dar, dessen Netzwerk von der Deutschen Bundespost/Telekom betrieben wird. Durch den Einsatz von Btx-Terminals können nicht nur Informationen von - neben Banken - verschiedensten Anbietern abgerufen werden, sondern auch die Eingabe von persönlichen Mitteilungen sowie Rechnerdialoge sind möglich. 
Btx-Banking aus Sicht des Kunden: 
Voraussetzung für die Teilnahme am Btx-System seitens des Bankkunden ist ein Telefonanschluss, ein Modem sowie ein mit einem speziell eingebauten Decoder ausgestattetes Fernsehgerät bzw. ein mit entsprechender Software ausgerüsteter Btx-fähiger PC. 
Btx-Banking aus Sicht der Bank: 
Auf Bankenseite ist im wesentlichen die gleiche Grundausstattung erforderlich wie beim Kunden. Darüber hinaus ist jedoch als Eingabegerät eine sogenannte Editiertastatur notwendig. Schließlich besteht für die Bank einerseits die Möglichkeit, sogenannte Bildschirmtextseiten - beispielsweise allgemeine Informationen über die Bank -, die von den Kunden abgerufen werden können, auf einem Rechner der Bundespost/Telekom abzuspeichern; andererseits kann auch der Zentralrechner der Bank selbst als sogenannter externer Rechner mittels eines Datenvermittlungsnetzes und entsprechender Software an das Btx-System angeschlossen werden. Letzteres ist üblich, das erst hiermit ein Rechnerdialog ermöglicht wird. Btx kann somit ähnlich dem Telefon-Banking als reines Informationsmedium oder - bei entsprechender Konfiguration - auch als Transaktionsmedium für einfache Bankleistungen verwendet werden. 
Das klingt ein wenig nach dem Prinzip einer privaten Blockchain, wie sie einigen namhaften Banken derzeit vorschwebt. Von der Idee her ist das gar nicht mal so weit vom Btx entfernt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Irgendwie sehen einige Banken mit der Blockchain die Chance, das Internet, bzw. dessen noch vorwiegend dezentrale Funktionsweise, endgültig zu überspringen. Bis heute haben sich die meisten Banken nicht so recht mit dem Internet anfreunden können. Im Bereich Social Media beschränken sich die Aktivitäten auf das Notwendigste. 

Auch sonst bot Btx bereits Funktionalitäten, die mit Smart Contracts, digitalen Währungen und Digital Rights im Netz wiederaufleben. So beschreibt Daniel Rehbein die Vorzüge von Btx in seinem lesenswerten Beitrag Bildschirmtext - ein tolles Netz! 
In Bildschirmtext konnten seitenabhängige Entgelte zwischen 0,01 und 9,99 DM pro Seite sowie zeitabhängige Entgelte bis 1,30 DM pro Minute direkt über die Telephonrechnung eingezogen werden.

Was heute im Internet als "Micropayment" diskutiert wird und was zusätzlicher Verträge bedarf, war in Bildschirmtext bereits enthalten: Die Bezahlung kleiner Beträge direkt online.
Auch der Datenschutz war mit Blick auf heute beachtlich:
In Bildschirmtext war die überwiegende Zahl der Seiten statisch auf den Servern der Betreibergesellschaft Deutsche Bundespost abgelegt. Von den einzelnen Abrufen erfuhr der jeweilige Anbieter gar nichts. Lediglich eine Statistik der Anwahl der Abrufe pro Stunde konnte er sich anzeigen lassen. Wo in Btx per Datex-P eine Weitervermittlung zu externen Rechnern erfolgte, wurde dies dem Benutzer angezeigt. Zudem wurde auch bei solchen Verbindungen keine den Benutzer identifizierenden Daten übermittelt.
Die Blockchain adressiert dieses Thema über die Digitalen Identitäten. Insgesamt also einige bemerkenswerte Berührungspunkte.
Es ist jedoch fraglich, ob sich das Banking durch den Einsatz der Blockchain in den Btx-Modus zurückholen lässt. Ganz ausgechlossen ist es allerdings nicht ...

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