Freitag, 29. Januar 2016

Führen die Fintech-Acceleratoren der Banken am Ziel vorbei?

Von Ralf Keuper

Um mit der rasanten Entwicklung auf dem Fintech-Sektor Schritt zu halten, gehen immer mehr Banken dazu über, eigene Acceleratoren oder Inkubatoren zu gründen. Bei vielen Branchenbeobachtern kommt die Botschaft wohl an; allein es fehlt der Glaube, wie bei Ollwia Berdak, die ihre Sekpsis in dem Beitrag Bank Fintech Accelerators Are Destined to Die äußert. 

Das Geschäftsmodell eines Accelerators, wie Y Combinator, verhält sich fast schon diametral zur Risikoneigung der meisten Banken. Um als Accelerator langfristig Erfolg zu haben, bedarf es neben einem hohen technologischem Verständnis und großer Marktkenntnis auch entsprechender Strukturen und einer adäquaten Risikopolitik. Aber auch das ist nur die halbe Miete. Die besondere Herausforderung eines Accelerators beschrieb Paul Graham bereits im Jahr 2012 in Black Swan Farming. Schon seit einiger Zeit deutet sich an, dass auch die Acceleratoren sich der Reifephase nähern. Besonders erfolgreich auf VC-Markt agiert, gemessen an der Zahl der Exits, Intel Capital, der Venture-Arm von Intel. Über das Erfolgsrezept von Intel Capital gibt der aktuelle Beitrag Intel Capital's secret sauce: Invest early and look to the East nähere Auskunft.

In einem etwas älteren Beitrag heisst es:
Intel Capital selbst hebt kein bestimmtes Schema für seine Investmentstrategie hervor. Doch viele der von ihm unterstützten Unternehmen entwickeln Hardware sowie Software für internetfähige Geräte und Sensoren, also das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT).
Im Fokus stehen Startups, die an dem Aufbau von digitalen Plattformen arbeiten, über die sich die verschiednen Geräte und technischen Objekte verbinden lassen. Finanzdienstleistungen gehören zu den Services, die hierfür benötigt werden. 

Das scheint mir das eigentliche Problem zu sein. Dieser Perspektivwechsel fällt einer Bank naturgemäß deutlich schwerer als dem Finanzarm eines Technologiekonzerns, der in der Vergangenheit mit der Entwicklung des Mikroprozessors die Digitalisierung unserem heutigen Verständnis nach mit-initiiert hat. 

Die Plattformökonomie erfordert ein anderes Investitionsverhalten, eine andere Risikopolitik - nicht nur in den Banken. Fintech ist ein Teil der neuen Plattformökonomie. Um jedoch als Investor im Bereich Fintech langfristig Erfolg zu haben, ist die Kenntnis auch der anderen Bereiche, Plattform-Bestandteile sowie ihr Zusammenspiel mittlerweile unabdingbar. Die intensive Beschäftigung mit Fintech, die Fixierung, kann sogar dazu führen, dass die Abhängigkeiten zum großen Ganzen aus dem Blick geraten und das Investment die Erwartungen nicht erfüllt. 

Daraus folgt fast schon, dass Banken eigene Acceleratoren für die Industrie 4.0 oder das Internet der Dinge aufbauen müssen, was aber utopisch und meiner Ansicht nach auch nicht nötig ist. Ratsam aber ist die Beteiligung an Acceleratoren/Inkubatoren aus dem Umfeld Industrie 4.0 schon alleine deshalb, da sich hier die Wirtschaft der Zukunft abspielen wird. Ein Finanzinstitut sollte sich daher schon frühzeitig mit diesem Szenario beschäftigen. Fintech ist dazu ein Weg, aber nicht "der" Weg. 

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