Montag, 18. Januar 2016

George: Erste Bank zieht Bilanz

Von Ralf Keuper

Vor einem Jahr wagte die Erste Bank mit der Lancierung von George einen mutigen Schritt. In einem Interview mit Futurezone zieht Erste-Hub-Leiter Boris Marte Bilanz. Sie fällt durchweg positiv aus. 

Für bemerkenswert halte ich den Plan, George Go als Core App auszubauen und Drittentwicklern die Möglichkeit zu geben, sich über Open API an der Weiterentwicklung der George-Plattform zu beteiligen.  Vor einem Jahr schrieb ich in Erste Bank in Österreich startet Online-Banking nach Google-Vorbild:
Es wird sich zeigen, ob die Erste und die österreichischen Sparkassen den offenen Ansatz verfolgen, oder lediglich versuchen, ihr altes Geschäftsmodell digital zu transformieren. Es ist fraglich, ob sich das Modell der klassischen Universalbank auf Dauer noch aufrecht erhalten lässt.

Trotzdem ist das m.E. der richtige Weg. Indem die Erste den Netzwerk- bzw. Ökosystem-Gedanken anwendet, kann sie wichtige Erfahrungen über die Möglichkeiten und Grenzen dieser Organisationsform sammeln, die ihr einen Vorsprung vor den anderen Banken verschaffen. So lässt sich feststellen, welche Teile des Ökosystems auf Dauer eine Überlebenschance haben, und welche nicht.
Die Erste hat sich auf Basis der gesammelten Erfahrungen für den offenen Ansatz entschieden und versucht nach meinem Eindruck nicht, die Bank 1:1 digital zu transformieren. Das George-Ökosystem ist bereits so dynamisch, dass es für Drittentwickler attraktiv ist bzw. wird. 

Das entspricht in etwa dem, was Jonathan Zittrain in The Future of The Internet als generative Plattform bezeichnet. Zittrain definiert Generavität wie folgt:
Generativity is a system's capacity to produce unanticipated change through unfiltered contributions from broad and varied audiences. Terms like "openess" and "free" and "commons" evoke elements of it but they do not fully capture its meaning, and they sometimes obscure it. 
Zittrain sieht fünf wesentliche Faktoren, die dafür sorgen, dass ein System, eine Plattform generativ ist und auf hohe Nutzerakzeptanz stösst: 
  1. How extensively a system or technology leverages a set of possible tasks, 
  2. How well it can be adapted to a range of tasks
  3. How easily new contributors can master ist
  4. How accessible it is to those ready and able to build on it
  5. How transferable any changes are to others - including nonexperts. 
So gesehen ist die Erste auf einem guten Weg. 

Kompliment!

Weitere Informationen:

Banking in der Plattformökonomie

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