Mittwoch, 20. Januar 2016

Ist die Modularisierung der Schlüssel zum Erfolg im Banking?

Von Ralf Keuper

Derzeit wird von verschiedenen Seiten geradezu fieberhaft nach der passenden Antwort der Banken auf die Herausforderungen im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung gefahndet. An der Spitze befinden sich dabei, naturgemäß, die Beratungshäuser mit ihren Studien, wie aktuell Oliver Wyman mit Modular Financial Services: The New Shape of the Industry. Der Schlüssel für den Erfolg der Banken liegt demnach in der Modularisierung 

In der Pressemitteilung heisst es dazu:
In einer modularen Finanzbranche gehört eine direkte Kundenbeziehung nicht mehr nur einem Produktanbieter. Kunden wählen beispielsweise mit Hilfe einfacher Online-Plattformen oder mobilen Apps zwischen einer Vielzahl von Anbietern aus. Auf der Angebotsseite wird die Wertschöpfungskette nicht mehr komplett innerhalb eines Unternehmens erarbeitet. Stattdessen werden Teilschritte vermehrt an Drittanbieter ausgelagert. Die Modularisierung wird vor allem durch neue Technologien und regulatorische Veränderungen vorangetrieben. Das führt zu größerer Transparenz und Effizienz.
Die Studie belässt es nicht bei der bloßen Modularisierung. Parallel dazu sollen Plattformen die Integration der mehr oder weniger losen Teile übernehmen, nach Möglichkeit in Form sog. Trusted Platforms:
Given the growing importance of digital platforms in distribution, this will be sustained (or achieved) only if financial services providers win the battle to provide customers’ “trusted platform”: that is, the main point of contact through which they get access to the full range of financial services.

Zustimmung. Nur - wie soll das funktionieren? Durch eine Umorganisation des Bestehenden?


Die Studie übersieht einen wichtigen Punkt: Die Tatsache nämlich, dass auch im Banking der sog. Plattformkapitalismus um sich greift. Die Plattformen, von denen die Studie spricht, sind bereits da. Sie heißen Amazon, Google, facebook, Apple, Samsung, Alibaba & Co. Mit anderen Worten: Die Kundenschnittstelle ist oft schon besetzt, worauf u.a. Roland Berger am Beispiel der Industrie, wo die Modularisierung schon weit fortgeschritten ist, in Die digitale Transformation der Industrie hinweist. 

Der eigentliche Haken an der Studie ist, dass sie noch von einem Marktumfeld ausgeht, das so nicht mehr existiert, also quasi eine Nabelschau betreibt. Das Rezept würde nur dann aufgehen, wenn die Banken noch weitgehend autonom agieren könnten, d.h. wenn sie digital souverän wären und nicht mit Unternehmen, digitalen Ökosystemen konkurrieren würden, deren Infrastruktur und Know How sie benötigen, um ihre Kunden überhaupt noch zu erreichen. Das ist ein wichtiger Punkt. Versuche, die alte Universalbank durch Modularisierung sowie durch Umetikettierung als Integrierten Finanzdienstleister in die Digitalmoderne überführen zu können, gehen daher an den Neuen Realitäten im Banking vorbei. 

Plattformen übernehmen, darin ist den Autoren zuzustimmen, eine Schlüsselstellung. Die Banken haben hier allerdings organisatorisch und technologisch einen beträchtlichen Rückstand. Da sind ihnen Amazon, Apple & Co. - derzeit - noch weit voraus. 

Welche Plattformen wollen die Banken dem entgegen setzen? Generative oder non-Generative (Johnathan Zittrain), also mehr oder weniger offene oder geschlossene Systeme? Es können eigentlich nur offene Systeme, Plattformen sein. Das setzt jedoch einen echten Kulturwandel, ja schon eine Kulturrevolution in den Banken voraus. Modularisierung ist da, wenn überhaupt, nur ein weiteres Stilmittel. 

Das so etwas möglich ist, beweist m.E. derzeit George in Österreich. 

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