Samstag, 2. Januar 2016

Medienkonvergenz im Banking am Beispiel von Mobile Payments

Von Ralf Keuper

Es ist eine auf diesem Blog bereits in mehreren Beiträgen vertretene Überzeugung, dass der größte Anpassungsdruck im Banking von dem Medienwandel, von der veränderten Mediennutzung ausgeht, wie in:
In dem Zusammenhang wird auch häufig von der Medienkonvergenz gesprochen. 

Medienkonvergenz 

Die nach meinem Dafürhalten verständlichste Erläuterung stammt vom Grimme-Institut in Im Blickpunkt: Medienkonvergenz.
Das Verschmelzen von Funktionalitäten unterschiedlicher Einzelmedien in einem Gerät heisst Medienkonvergenz. Technische Geräte wachsen zu einer multifunktionalen Einheit zusammen und ermöglichen den Zugriff auf Inhalte, die bisher über unterschiedliche Wege übertragen wurden. Neben den Geräten konvergieren auch Inhalte, die uns bisher auf verschiedenen Übertragungswegen erreich haben: Fernsehserien leben auf Internetseiten weiter, Popsongs mutieren zu Handy-Klingeltönen, Internetblogs bestücken Zeitungsbeiträge und Computerspiele werden zu Kinofilmen. Ganze Medienzweige konvergieren und klassische Verlagshäuser machen Umsätze mit Internetportalen, Computerhändler mit Musikbörsen. Ausgefeilte Komprimierungsmethoden und immer größere Bandbreiten bei der Übertragung unterstützen und beschleunigen diese Prozesse. 
Erläutert werden in dem Text im weiteren Verlauf die Ebenen:
  • Technische Medienkonvergenz
  • Inhaltliche Medienkonvergenz
  • Wirtschaftliche Medienkonvergenz 
  • Nutzungskonvergenz
Medien der Kooperation

Dass der Blick auf die Einzelmedien dem Wandel nicht mehr gerecht wird, ist auch die Überzeugung des Projektes Medien der Kooperation an der Universität Siegen. Leitende Annahme ist dabei:
Digitale Medien lassen sich ... nicht mehr als Einzelmedien verstehen. Vor der Digitalisierung war ein Telefon ein Apparat mit einer einzigen Funktion, heute ermöglichen Smartphones drahtlos den Zugriff auf Datenspeicher im Internet sowie auf vernetzte soziale Plattformen und so die kooperative Interaktion zwischen Millionen Menschen. Damit müssen nun auch klassische Einzelmedien als Medien der Kooperation noch einmal anders verstanden werden.
Banking als Teil des Medienwandel - Das Beispiel Mobile Payments

Banken sind in gewisser Weise auch Medienunternehmen. Geld ist eines der verbreitetsten, erfolg- und einflussreichsten Medien überhaupt. Das Geld hat seine Form über die Jahrhunderte, Jahrtausende gewandelt. Es ist dabei im Zeitverlauf immer unstofflicher geworden - von den Münzen bis hin zu den digitalen Währungen. Während sich die Form gewandelt hat, ist die Funktion relativ konstant geblieben. Geld ist weiterhin ein Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel. 

Bis vor einiger Zeit noch besaßen die Banken ein Quasi-Monopol auf die Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Durch das Internet haben sich neue Möglichkeiten für die Zahlungsabwicklung, für das Versenden und Empfangen von Geld ergeben. Neue Anbieter wie PayPal konnten sich im Bereich der Online-Zahlungen etablieren. Neuerdings bieten Messaging-Dienste wie WeChat oder WhatsApp die Möglichkeit, neben Text und Bildern auch Zahlungen zu übermitteln. Seit Ende 2014 ist mit dem Markteintritt von Apple Pay das mobile, kontaktlose Bezahlen das beherrschende Thema im (Retail-) Banking. Seitdem sind namhafte Technologiekonzerne wie Samsung, LG und Microsoft sowie Einzelhandelskonzerne wie Wal Mart dem Beispiel gefolgt. 

Apple erneut als Vorreiter 

Nach wie vor scheiden sich an Apple Pay die Geister. Nach Ansicht der Kritiker bietet die Lösung den Kunden keinen echten Vorteil. Die Kritiker übersehen dabei, dass es Apple nicht um den Bezahlvorgang an sich geht - auch Apple ist nicht entgangen, dass mit der Abwicklung des Zahlungsverkehrs alleine kein Blumentopf zu gewinnen ist. Das Unternehmen verfolgt auch hier seinen Ansatz der Systeminnovation, d.h. nicht die einzelne Funktion steht im Vordergrund, sondern das Zusammenspiel, das Ganze. Die Zahlungsabwicklung ist Mittel zum Zweck. 

Wohin die Reise für Apple und andere gehen wird, zeigt die Meldung vom 31.12.2015 Apple wants to let you make payments through texts, phone calls, and emails, wonach es Apple nicht dabei belassen wird, P2P-Zahlungen anzubieten, sondern, ganz im Sinne der Medienkonvergenz, die Zahlungen mit anderen Medienformaten zusammenbringt und damit nahezu verschmelzt. 
A patent filing published earlier this month (Dec. 2015) indicates that Apple is not only looking at allowing people to send money over its text messaging service, but other services built into the iOS platform, including phone calls, email, and calendar invites.
Es handelt sich dabei um ein Patent. Ob daraus ein Produktangebot wird, muss sich erst noch zeigen. Ganz unabhängig davon geht die Reise in diese Richtung. Daraus folgt für mich jedenfalls, dass andere Anbieter, wie Samsung und Google, dem Beispiel von Apple folgen werden. 

Konsequenzen für das Banking

Die Medienkonvergenz im Banking wird durch die Verbreitung mobiler Bezahlverfahren beschleunigt. Dies wird nicht ohne gravierende Folgen für die Banken bleiben. Die Banken verfügen weder über die Infrastruktur noch über die Inhalte, um von der Medienkonvergenz im großen Stil profitieren bzw. daran partizipieren zu können. Ihnen fehlt die Digitale und mediale Souveränität. Ein entscheidender Wettbewerbsnachteil, der in seiner ganzen Tragweite, jedenfalls nicht offiziell, noch immer nicht erkannt wird - weder in den Banken noch in den Beratungsunternehmen. 

Die Banken sind in ihrer Mehrheit auf Einzelmedien fixiert. Um die Teile zu einem Ganzen umformen zu können, fehlt das Know How. Daran ändert auch nichts, dass die Banken über großen Datenmengen verfügen, die ihnen tiefe Einblicke in das Zahlungs- und Kaufverhalten der Kunden ermöglichen, wie das aktuell von den australischen Banken diskutiert wird. Die Banken haben ihr Informationsmonopol verloren. Im Vergleich zu den großen digitalen Ökosystemen wie Apple, Google, Amazon, Samsung, facebook und Alibaba erhalten sie nur noch Zugang zu den Transaktionsdaten, kommen zeitlich also immer einen Schritt zu spät. 

Aussicht

Den Wettlauf im Bereich Mobile Payments haben die Banken aufgrund der geschilderten Entwicklung schon jetzt verloren. An dieser Erkenntnis führt kaum noch ein Weg vorbei.

Um in Zukunft noch eine relevante Rolle spielen zu können, ist es nötig, sich als Anwalt der Kunden zu positionieren. Schon allein aus diesem Grund bekommen die Digitalen Identitäten (und evtl. auch die Blockchain) großes Gewicht. Statt sich also auf das Spiel mit Apple, Google & Co. einzulassen, das man nur verlieren kann, definiert man ein neues Spielfeld, das nach anderen Regeln funktioniert, Stichworte Data Privacy und Daten als Währungen. 

Tröstlich auch, dass die Medienkonvergenz nicht zu einem oder zu  "dem" Supermedium führen wird

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