Dienstag, 5. Januar 2016

New Banking: Die Suche nach dem Missing Link

Von Ralf Keuper

Was die Schwachstellen des Banking betrifft, sind sich die Beobachter bei ihrer Diagnose schnell einig: Die Banken sind nicht innovativ genug; sie verharren noch zu sehr in überkommenen Strukturen und Denkweisen. Die Herausforderer, vor allem die FinTech-Startups, sind ihrer Zeit voraus, wobei sie gerne verdrängen, wie sehr auch sie noch auf die Infrastrukturen angewiesen sind, die sie eigentlich überwinden wollen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass hier noch ein wichtiger Teil, eine Verbindung fehlt, um das Banking in eine neue Zeit zu überführen. In gewisser Weise befinden wir uns auf der Suche nach dem Missing Link im Banking, dem fehlenden Bindeglied.

Um die Suche erfolgreich durchführen zu können, müssten wir wissen, auf welcher entwicklungsgeschichtlichen Stufe wir uns derzeit im Banking befinden und wichtiger noch: wohin sich das Banking in etwa entwickelt.
Meiner Ansicht nach haben wir es im Banking momentan mit einem Übergangsstil zu tun, d.h. es sind bereits zahlreiche Entwicklungen im Gange, die auf einen neuen Stil im Banking hinwirken: Seien es die FinTech-Startups, die Verbreitung mobiler Bezahlverfahren, das Aufkommen digitaler Währungen und der Blockchain, der Markteintritt der digitalen Ökosysteme, das Internet Dinge sowie die Medienkonvergenz. Daneben spielen noch andere Faktoren eine Rolle, wie z.B. Fragen der Regulierung und des Datenschutzes.

Vor einigen Jahren stellte IBM sein Missing-Link-Prinzip in einem Buch vor. In der Beschreibung hieß es:
Um die Missing Links aufzuspüren ist es entsprechend notwendig ihre Zukunft und Ziele, ihre Gegenwart und ihre Überwindung grundsätzlich als Einheit zu betrachten, denn letztendlich sind sie untrennbar miteinander verbunden.
Was fehlt, um das Bild der Zukunft komplett zu machen? Neue Technologie- und Softwareplattformen, andere Organisations- und Geschäftsmodelle, größere Bandbreiten und Übertragungsgeschwindigkeiten, Künstliche Intelligenz/Machine Learning, ein Wertewandel in der Gesellschaft, die Betrachtung von Daten als Vermögenswerte? Macht die Entwicklung irgendwann einen Sprung oder stellt sich so etwas wie Emergenz ein? Oder liegt das fehlende Bindeglied vor unseren Augen, ohne dass wir es erkennen? Ist es "nur" eine Kombination aus bereits bestehenden Elementen?

Können die FinTech-Startups das Bindeglied (Connecting Link) sein und/oder die Blockchain? Braucht es evtl. noch mehr? Reicht die digitale Transformation aus? 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen