Mittwoch, 17. Februar 2016

Auch bei der Blockchain bleibt der menschliche Faktor der entscheidende

Von Ralf Keuper

Wenn sich so viele Branchenkenner über einen Trend so einig sind, wie bei der Blockchain, dann ist Skepsis angebracht und die Anwendung Konträren Denkens (Ken Fisher) durchaus empfehlenswert. 

Es herrschen kaum noch Zweifel an dem "disruptiven" Potenzial der Blockchain, so dass, wer sich dieser Erkenntnis verschließt oder die Botschaft nicht mit der gewünschten Inbrunst verkündet, der Häresie, d.h. der Fortschrittsfeindlichkeit schuldig macht. Wer an die erlösende Kraft dieser Technologie, an die Offenbarung, nicht glaubt, wird sich auf der Verliererstraße wiederfinden - so der Tenor. 

Nun ist es keinesfalls so, dass ich die Blockchain gering schätze und sie nur für eine vorübergehende Laune halte. Faszinierend finde ich die BigchainDB von Ascribe. Was mich jedoch an der Diskussion, abgesehen von der metaphysischen Komponente, stört, ist die Annahme, eine Technologie allein werde den Weltenlauf in die gewünschte Richtung lenken, in die ersehnte Form pressen. Das trägt deutliche Züge von Gesellschaftskonzeptionen, die ihrem Wesen nach totalitär sind, wie der Marxismus, worauf u.a. Karl Popper mehrfach hingewiesen hat. Aber hier geht es gar nicht um die politische oder weltanschauliche Dimension, sondern um die schlicht menschliche, die bei aller verständlichen Begeisterung unter den Tisch fällt.

Diese wird in dem Beitrag Why Wall Street Is Embracing The Blockchain - Its Biggest Threat am Rande, eher beiläufig erwähnt. Der Beitrag selber gibt den aktuellen Stand sowie die verschiedenen derzeit plausibel erscheinenden Szenarien m.E. sehr gut wieder. 

Nun aber zu den Passagen, in denen Josh Galper von Finadium zitiert wird: 
Even if the industry does take the technology to its logical extreme, it could still hit a wall. It could still run into human inertia, human error, and, yes, human greed. Wall Street is ultimately motivated by money, not ideas. ..

With the blockchain, settlement could occur instantaneously,” he says. But the industry may be unwilling—or unable—to go that far.

As Galpar says: “There’s a lot that happens outside the technology.” In other words: humans get in the way. Better tech can make some parts of the market run seamlessly, but people will always be there to keep things complicated.
Der menschliche Faktor bleibt entscheidend - mit allen Vor- und Nachteilen. 

Übrigens: Eine der Protagonistinnen der Blockchain ist die Erfinderin der CDS, Blythe Masters

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