Donnerstag, 11. Februar 2016

Banken in der (Dauer-)Krise

Von Ralf Keuper

Die Banken befinden sich derzeit in einer tiefen Strukturkrise, wie sie die Branche in dieser Form bisher nicht gekannt hat. Als historischer Vorläufer bietet sich die Stahlindustrie an; ein Vergleich, den Ulrich Cartellieri bereits 1990 zog. Selbst ehemals stolze Geldhäuser wie die Deutsche Bank geraten ins Wanken. Als Ursachen gelten allgemein die anhaltende Niedrigzinspolitik, die verschärfte Regulierung, der zunehmende Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter, die aktuellen Schwankungen auf den Rohstoffmärkten und die schwächelnden Volkswirtschaften in den Schwellenländern; gut auf den Punkt gebracht von Rolf Obertreis in Banken in der Krise: Große Probleme für große Institute. Weitere Beiträge:
Obschon mir die Abgesänge verfrüht erscheinen, kommt darin zum Ausdruck, dass sich das Geschäftsmodell der meisten Banken in seiner jetzigen Form überlebt hat. Größte treibende Kraft ist m.E. die fortschreitende Digitalisierung in Kombination mit der veränderten Mediennutzung. Beides Ausdruck eines veränderten Zeitgeistes. Die Banken haben es nicht verstanden, sich diesem Wandel zu stellen. Stattdessen sind sie eifrig bemüht, das Geschäftsmodell der Universalbank und Filialbank mittels kosmetischer Eingriffe zu retten.  Bisher können die Volksbanken und Sparkassen von der Zinsdifferenz und den Gebühren relativ gut leben. Parallel dazu werden zahlreiche Filialen geschlossen, um die Kosten zu senken. Ob das allerdings für die Zukunft ausreicht? Wie will man verhindern, im digitalen Alltag der Kunden unter der Vielzahl der Funktionen und Apps nicht unterzugehen bzw. noch als Bank wahrgenommen zu werden? Wenn es den neuen Anbietern wie Apple & Co. oder einigen Fintech-Startups gelingt, das Verlangen nach einer herkömmlichen (Universal-)Bank nicht mehr aufkommen zu lassen, da sich die Funktionen einer Bank in diverse Apps verlagert haben, dann wird es eng. Die Bank kommt in der Digitalmoderne nicht mehr in ihrer ganzen Fülle zur Geltung; sie wird auf Funktionen heruntergebrochen, die auf Plattformen, je nach Bedarf, zur Verfügung gestellt werden. 

Neben die klassischen Risiken der Banken, wie Kredit- und Liquiditätsrisiken, treten verstärkt strategische und technologische. Wenn eine Bank mit der Entwicklung noch Schritt halten will, dann erfordert das enorme Investitionen in Hardware, Software und in die Sicherheit. Mit ihren über die Jahrzehnte gewachsenen IT-Infrastrukturen wird das kaum zu bewältigen sein.

Es kommt für die Banken derzeit von zu vielen Seiten gleichzeitig; und das in einer Phase, in der alle Kräfte auf die Zukunft, auf die Risiken und Chancen, konzentriert werden müssten. Das ist das eigentliche Dilemma. 

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