Donnerstag, 18. Februar 2016

Eine kleine Mediengeschichte des Banking

Von Ralf Keuper

Die Geschichte des Banking ist eng mit der Entwicklung der Medien verknüpft; und das schon seit mehreren Jahrtausenden. So ist Geld seinem Wesen nach ein Medium
Für die Abwicklung bzw. Dokumentation von Bankgeschäften wurden zunächst Tontafeln, Steine und Papyros verwendet. Später kamen Pergament und Papier als Informationsträger hinzu. Das Geld selber wandelte seine Form mehrfach: Von harten Materialien wie Gold oder Silber über das Papier bis hin zu elektronischen Codes. Schecks, Überweisungsträger und Wechsel waren noch bis vor einigen Jahren weit verbreitet. 
Heute verläuft die Abwicklung der Bankgeschäfte weitestgehend elektronisch. Bald könnte mit der Blockchain und den digitalen Währungen eine neue Phase beginnen. Verträge werden nicht mehr schriftlich in Form von Dokumenten fixiert, sondern in sog. Smart Contracts mittels Softwarecodes abgebildet. Einige Länder, wie Schweden, sind bestrebt das Bargeld ganz abzuschaffen.

In der Summe zeichnet sich hier ein tiefgreifender Stilwandel des Banking ab, der nicht ohne den Medienwandel verstanden werden kann. Der Medienwissenschaftler Andreas Würgler schreibt:
Medien bilden Ereignisse und Prozesse nicht nur ab, vielmehr prägen sie diese auch (in: Medien in der frühen Neuzeit)
Hinzu kommen neuere Entwicklungen, wie die Medien der Kooperation, die ganz andere Anforderungen an das Banking stellen, wie sie sich auch mit der besten Cross-Channel-Strategie nicht mehr ausreichend abbilden lassen. 

In der Konsequenz bedeutet das, dass die Banken sich in Medienunternehmen wandeln und sich an deren Gesetzmäßigkeiten anpassen müssen. Der Versuch, das Internet in die eigene Bank zu integrieren, kann daher nur fehlschlagen. 

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