Montag, 1. Februar 2016

Künstliche Intelligenz im Aktienhandel und die Anmaßung von Wissen

Von Ralf Keuper

Im Gegensatz zu früher, als das Börsenparkett von einem hektischen Treiben geprägt war, bei dem wild gestikulierende Personen sich in einer Art Geheimsprache verständigten, erfolgt die Kommunikation heute schon zu einem großen Teil durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, wie sie häufig mit dem Schlagwort Algo-Trading assoziiert wird. 
Nicht mehr lange, und wir sehen neue Formen des Aktienhandels mittels Künstlicher Intelligenz, wie der Beitrag Künstliche Intelligenz verändert Aktienhandel prognostiziert. Bald schon können Sensoren gekoppelt mit den Verfahren von Big Data ein genaues Bild unseres Verhaltens liefern, woraus sich präzise Vorhersagen ableiten lassen, d.h. die Zukunft wird planbar und damit auch die Börse. Es scheint als würde die Planwirtschaft doch noch Realität; ein später Erfolg für Karl Marx ;-) Insofern könnte das Social Credit System -  Projekt der chinesischen Regierung Erfolg haben. 

Ob das Szenario tatsächlich so erstrebenswert und unausweichlich ist, wie einige anzunehmen scheinen? Lässt sich darin nicht noch immer eine Anmaßung von Wissen im Sinne Friedrich von Hayeks erkennen? 

Karen Horn bringt Hayeks Sicht auf den Punkt: 
Wo kein Wissen umfassend und gesichert ist, muss man immer wieder neue Lösungen ausprobieren können, muss Raum für das Unvorhersehbare bleiben.
Vollständiges Wissen bleibt auch mit den Mitteln der Künstlichen Intelligenz eine Illusion, was Kurt Gödel mit dem nach ihm benannten Theorem bewiesen hat (Gödel zielte dabei nicht explizit auf Verfahren der künstlichen Intelligenz). Daraus folgt sinngemäß, dass keine Theorie jemals vollständig und konsistent zugleich sein kann. Entweder sie ist vollständig, dann ist sie nicht konsistent, oder aber sie ist konsistent, dann ist sie nicht vollständig. So oder so: Es bleibt das Unvorhersehbare, der sog. "Schwarze Schwan".  

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