Montag, 15. Februar 2016

Stehen wir im Banking vor einer kommerziellen Revolution?

Von Ralf Keuper

Schaut man sich die Entwicklung an, die sich seit einiger Zeit im Banking und Handel vollzieht, erwähnt seien nur die Verbreitung mobiler Bezahlverfahren und das Aufkommen der großen digitalen Plattformen wie Amazon, Apple und Alibaba, dann sprechen die Anzeichen verstärkt dafür, dass wir eine kommerzielle Revolution erleben. 
Der erste große kommerzielle Revolution ereignete sich, so der Historiker Jacques Le Goff, zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. Eine Schlüsselstellung hatten dabei die neu entstandenen Städte:
Ob Neuschöpfungen oder alte Ballungsräume, der neuartige und wesentliche Charakterzug der Städte bestand im Vorrang der ökonomischen Funktion. Als Etappenstädte auf den Handelsrouten, Verkehrsknotenpunkten oder See- und Flußhäfen lag ihr Lebenszentrum neben dem feudalen Kastell und dem militärischen oder religiösen Stadtkern, d.h. im neuen Viertel mit den Geschäften, dem Markt und dem Umschlagplatz der Waren. Denn die Fortschritte des Handels waren mit der Entwicklung der Städte verbunden; und der Aufschwung der Kaufleute ist im Rahmen der Stadt zu sehen (in: Kaufleute und Bankiers im Mittelalter)
Die Funktion der Städte hat das Internet übernommen. Heute sind die APIs die neuen Handelsrouten, deren Knotenpunkte große digitale Plattformen sind. Die Banken repräsentieren die feudalen Kastelle, an deren Seite sich neue Händler, wie Fintech-Startups angesiedelt haben, die den Stadtkern zu prägen beginnen und die alten Händler an die Seite drängen. Sofern dann noch die Blockchain als weitere, vielleicht sogar dominierende Handelsroute hinzu treten sollte, dann könnte die Stadt von der Mehrzahl der Bewohner aufgegeben werden. Die verbliebenen müssten sich an den Gedanken gewöhnen, in einer Art Freilichtmuseum zu leben und dazu übergehen, die Stadt als Tourismusziel zu bewerben. 

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