Samstag, 6. Februar 2016

Warum die Blockchain die Banken nicht agiler macht

Von Ralf Keuper

"Zur Blockchain drängt alles, an der Blockchain hängt alles" - so könnte man die aktuelle Stimmung in den Medien und bei einigen Fintech-Enthusiasten beschreiben. Da fällt eine nüchterne Betrachtung wie die von Saifedean Ammous in Blockchain Won't Make Banks Any Nimbler aus dem Rahmen. 

Darin zerlegt er den Mythos Blockchain in seine Einzelteile. Ammous wählt als Einstieg einen historischen Vergleich. So habe die geniale Idee von Carl Benz darin bestanden, das Chassis einer Kutsche mit einem Motor zu vereinen. Damit beschleunigte er die Personenbeförderung deutlich. Die Pferde wurde dadurch jedoch nicht schneller. 
Für Ammous folgt daraus:
So despite banks' attempts to test and use blockchain technology for their own commercial gain, it is outside the realm of possibility for the technology to serve any useful purpose for the intermediaries it was designed to replace. That is akin to burdening horses with engines in the name of technological innovation: the approach would only slow down the horse and alleviate none of its problems. Such a ridiculous notion will find no real world demand.
Damit legt er den Finger in die Wunde. Die Hoffnung der Banken auf eine Frischzellenkur dank Blockchain könnten sich schneller zerschlagen, als vielen lieb ist. Sie bietet unter den derzeitigen Bedingungen, d.h. einem Finanzsystem, das auf Finanzintermediäre angewiesen ist, keinen echten betriebswirtschaftlichen Vorteil. Wenn die Blockchain tatsächlich der Nukleus des Finanzmarktes werden sollte, dann erfordert das enorme Investitionen in Hardware und Software - und in die Sicherheit. Unter dem Strich dürften sich die Kosten, die heute für die Unterhaltung der Zahlungsverkehrsinfrastruktur anfallen und denen für den Betrieb der Blockchain die Waage halten. Ganz abgesehen davon, müsste die Zahl der Transaktionen, die über die Blockchain abgewickelt werden können, deutlich gesteigert werden. 

Nachtrag:

Die Fintech-Enthusiasten entgegnen auf die Kritik an der Blockchain, wie die von Ammous, dass sie das wahre Potenzial dieser Technologie unterschätzen würde. Konfrontiert man sie dann jedoch mit den konkreten Problemen und offenen Fragen, dann bekommt man zu hören oder zu lesen, dass werde sich mit der Zeit klären; irgendwann, so hat man den Eindruck, geschieht das Wunder. Wie genau dieses Wunder aussehen soll, erfährt man indes nicht. Für mich ein weiteres Indiz für einen irrationalen Überschwang, wie er bereits in den 1990er und den frühen 2000er Jahren zu beobachten war. Damals war es das Internet, das alles verändern würde. 
Es ist nicht so, dass ich das Potenzial der Blockchain verneinen würde. Wogegen ich mich allerdings wehre, ist der Wunderglaube, der sich mittlerweile breit macht, die ins Metaphysische gehende Argumentation, welche Fakten, die gegen ihre Lehrmeinung sprechen, als Ketzerei oder Kleingläubigkeit brandmarkt. Es müssten wahrlich höhere Kräfte im Spiel sein, wenn die Erwartungen, die an die Blockchain geheftet sind, in Erfüllung gehen ;-)

Aber selbst wenn die Blockchain ihr Versprechen einlösen sollte: was ist, wenn es zu Manipulationen der Blockchain kommt? Was hätte das für Konsequenzen für das Finanzwesen wie überhaupt für Wirtschaft und Gesellschaft? Käme das dann nicht tatsächlich einer Kernschmelze des Finanzmarktes gleich?

Weitere Informationen:

Blockchain: Wunsch und Wirklichkeit

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