Dienstag, 15. März 2016

Banken im Zangengriff der Informations- und kommerziellen Revolution

Von Ralf Keuper

Im Mittelalter, und hier vor allem in Italien, schlug die Geburtsstunde der Banken. Vorausgegangen war dem die Kommerzielle Revolution zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert. Weiteren Schwung verlieh dem Bankgeschäft die wohl erste richtige Informationsrevolution, für die Johannes Gutenberg und seine Erfindung der Druckerpresse stehen. Drucker bildeten daraufhin für einige Zeit eine hoch angesehene gesellschaftliche Schicht. Ihren Status verdankten sie in besonderer Weise ihrer Geschicklichkeit bei der Anwendung der Drucktechnologien. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts jedoch, begann sich das Blatt zu wenden, wie Peter F. Drucker beschreibt. Fortan war nicht mehr die Technologie das entscheidende Kriterium, sondern die Information und deren Bedeutung: 
Um das Jahr 1580 waren aus den vorrangig technologieorientierten Druckern gewöhnliche Handwerker geworden. Als Gewerbetreibende genossen sie zwar immer noch Respekt, doch sie gehörten zweifellos nicht mehr zur Oberschicht. Ihre Unternehmen waren nicht mehr länger rentabler als andere, und sie zogen auch keine Investoren mehr an. Ihr Platz wurde rasch von denen eingenommen, die wir heute Verleger nennen. An ihre Stelle traten Menschen und Firmen, deren Schwerpunkt nicht mehr auf dem "T" in "IT" lag, sondern auf dem "I".

Diese Akzentverschiebung fand genau zu jenen Zeitpunkt statt, als die neue Technologie begann, sich auf die Bedeutung der Information auszuwirken. Gleichzeitig gewann sie einen Einfluss auf die Bedeutung und die Funktionen der Schlüsselinstitutionen des 15. Jahrhunderts: die Kirche und die Universitäten. Der Wandel setzte also in der gleichen Situation ein, vor der wir heute innerhalb der aktuellen Informationsrevolution stehen. Ist dies der Punkt, an dem sich Informationstechnologie und Informationstechnologen heute befinden? (in: Management im 21. Jahrhundert)
Kann es sein, dass sich die Banken heute in einer ähnlichen Situation befinden, wie die Drucker im ausgehenden 16. Jahrhundert? Bislang reichte es aus, wenn die Banken die Daten ihrer eigenen Systeme in Informationen transformierten. Mittlerweile genügen die Daten in den eigenen transaktionsverarbeitenden Systemen nicht mehr, um ein vollständiges und aussagekräftiges Bild der Kunden, der Wirtschaft wie überhaupt der Außenwelt zu gewinnen. Das Internet und die Verbreitung neuer Technologien, wie sie für gewöhnlich unter dem Begriff "Big Data" zusammengefasst werden, haben dazu geführt, dass andere Anbieter den Informationen, neue bzw. weitere Bedeutung geben - genannt seien Google, Amazon, Apple und facebook sowie auch einige Fintech-Startups, vor allem jene, die sich dem Open API-Ansatz verschrieben haben. Vor dieser neuen Informations- und kommerziellen Revolution waren Banken die Schlüsselinstitutionen in dem von Peter Drucker beschriebenen Sinn. Werden auch sie bald abgelöst? 

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