Mittwoch, 16. März 2016

Die Bank als digitale Plattform - Versuch einer Begriffsklärung #2

Von Ralf Keuper

Nach einer Phase der scheuen Annäherung schweben Banken und Fintechs gerade, glaubt man einigen Kommentatoren, entrückt von Zeit und Raum, im Himmel. Wie andere Verbindungen auch, so müssen auch diese, so jedenfalls der Volksmund, letztlich auf Erden gelebt werden; und da sieht die Sache schon etwas anders aus. 

Doch zunächst zu den Argumenten, die für eine Verbindung zu sprechen scheinen.

Exemplarisch dafür ist der lesenswerte Beitrag Banking-as-a-Service: Common play of banks and fintech. Dort heisst es:
In next few years, we will see banking-as-a-service model like any other service. Traditional financial house will act as a payment and accounting engines, service will be built on top of those smaller traditional banks. Anyone can build customer centric service on top of the traditional banking system. This will provide customer bank agnostic services. Services will be pay per use.
Das Szenario ist alles andere als abwegig. Die Frage ist nur, ob man dazu wirklich noch Banken, wie wir sie kennen, benötigt? Auch der Autor plant nicht mehr mit der guten alten Universal- und Filialbank. Demnach würden Banken im Back End agieren und für sichere und den regulatorischen Bestimmungen entsprechenden Transaktionen sorgen. In etwa das, was auf diesem Blog vor ca. zweieinhalb Jahren in Die Bank als digitale Plattform - Versuch einer Begriffsklärung skizziert wurde. Gegen Ende steht dort: 
Im Idealfall wäre die Bank als digitale Plattform in der Lage, alle Wünsche eines Bankkunden zu erfüllen, d.h, Überweisungen, Gutschriften von Coupons, Finanzierungen (Konsumentenfinanzierung, Baufinanzierung, Autofinanzierung, Unternehmensfinanzierung), Wertpapierhandel bis hin zur Vermögensverwaltung/Private Banking. Ebenso zählt die Verrechnung der Gebühren und der Erlöse auf die Teilnehmer dazu. Vom Typ her eine Universalbank, ohne dass noch eine einzelne Bank dahinter steht. Die technische Anbindung erfolgt über offene Schnittstellen (Open API). Die Bank als digitale Plattform hat Ähnlichkeit mit einem App Store, wie den von Apple oder Google.
Auch die Banken sind mittlerweile davon überzeugt, dass den Fintechs die Zukunft gehört und eine Annäherung daher unausweichlich, ja geradezu lebensnotwendig ist. Davon berichtet PwC in einer aktuellen Studie. 

Auf der anderen Seite gibt es Fintech-Startups, die die Banken möglichst umgehen wollen, wie die neue solarisBank mit ihrem PaaS-Dienst mit Vollbanklizenz. Also nur eine kurze Romanze?

Was in den diversen Szenarien kaum bis gar nicht auftaucht, ist die Frage, ob und wie die Daten der Kunden als Vermögenswerte, als neue Währung künftig behandelt werden sollen und welche Rolle Banken oder Banking-as-a-Service - Anbieter hierbei spielen können. Ein nicht zu unterschätzender Punkt.

Bei aller Euphorie kann es nicht schaden, die Frage aufzuwerfen, ob es nicht auch gute Gründe gibt, an Bankfilialen, zumindest an einigen von ihnen, festzuhalten, wie sie in Life in a Banking Desert diskutiert und mit Ja beantwortet wird. Schaut man sich allein die Einfallslosigkeit der Sparkassen an, dann besteht hier wenig Grund zur Hoffnung. 

Dann braucht man sich nicht allzu sehr zu wundern, wenn die Banken nur noch als Infrastrukturdienstleister mit weitaus weniger Personal als heute benötigt werden. 

Insofern sprechen derzeit fast alle Argumente dafür, dass die Bank als digitale Plattform, oder als Teil einer branchenübergreifenden, integrierten Plattform, was ich mittlerweile für wahrscheinlicher halte, Realität wird. 

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