Mittwoch, 13. April 2016

APIs - Strategisch betrachtet #2

Von Ralf Keuper

In seinem Beitrag Three Steps to a Bank's API Success stellt Manish Grover  seine API-Reifegrad-Matrix für Banken vor. 

Die eigenen Systeme abzuschotten, ist in Zeiten, in denen digitale Plattformen und Ökosysteme die Kunden an sich binden, keine Option mehr; auch nicht Kooperationen, in denen die Banken ihre Schnittstellen nur für den Zweck öffnen, damit die Entwickler das Angebot ergänzen. Das werden auf Dauer die wirklich kreativen Entwickler und Anbieter zusätzlicher Dienste nicht mehr akzeptieren, zumal genügend Alternativen vorhanden sind; das gilt übrigens auch für die Kunden. 

Daher sei es nötig, die API-Strategie vom Kunden und seinen Bedürfnissen aus, also quasi von rückwärts zu planen. Die Bank sollte daher immer Ausschau nach geeigneten Partnern / APIs halten, welche die Bedürfnisse der Kunden besser adressieren, als die eigenen Systeme.

Das ist jedoch noch immer die Stufe, die die Banken eigentlich überwinden wollen bzw. sollen. 

Der nächste Schritt sieht vor, dass sich die Banken nun selbst zu digitalen Plattformen entwickeln, die in der Lage sind, innovative Dienste / APIs anzuziehen. Ergebnis ist ein Online-Marktplatz, auf dem die Bank die Regie führt und damit verhindert, den Kontakt zu den Kunden zu verlieren. 

Auf der letzten Stufe bündeln die Banken die verschiedenen Kundenbedürfnisse über einheitliche Identitäten:
Connecting individual value propositions by creating overarching customer identities and helping customers with proactive advice is also what will differentiate one banking API platform from the other. For example, banks already provide coupons from select retailers. In the future, banks can move towards building wish-lists, providing in-the-moment financial advice on potentially impulsive purchases, and many other use cases
Das Reifegrad-Modell von Grover will die Bank wieder zur Drehscheibe der Informations-und Datenflüsse der digitalen Ökonomie machen; Mittel dazu sind relativ offene digitale Plattformen und die Digitalen Identitäten der Kunden. Ob der Ansatz ausreicht, um ein Gegengewicht zu den großen digitalen Plattformen zu bilden? Ziehen die Banken in diesem Modell die Grenzen nicht noch zu eng? Zeigt das aktuelle Beispiel von facebook nicht auch, dass die Plattformen ihre Grenzen systematisch ausdehnen und damit den Aktionsradius der Banken begrenzen? Andererseits: Müssen die Banken ihr Geschäftsmodell nicht noch mehr begrenzen, um überhaupt noch eine herausgehobenen Rolle in der digitalen Ökonomie spielen zu können? 
Die Branchenstruktur hat sich mit dem Eintritt der Fintech-Startups und der Internetkonzerne dauerhaft verändert - Hype hin oder her. Die alten Zeiten der Universalbank, die alle Facetten des Bankgeschäfts abdeckt und die wichtigen Distributionskanäle beherrscht und sich ansonsten nicht allzu sehr um das kümmern muss, was in anderen Branchen sonst noch so vor sich geht, sind vorbei. 

Insgesamt geht der Ansatz von Grover m.E. in die richtige Richtung, d.h. APIs strategisch und nicht mehr nur taktisch aufzufassen. 

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