Mittwoch, 6. April 2016

Fintech: Nachzügler Japan

Von Ralf Keuper

Es ist schon irgendwie bemerkenswert, dass die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt, mit Tokio als einem der wichtigsten internationalen Finanzzentren, beim Thema Fintech eher abseits steht. In den 1980er und 1990er Jahren waren unter den größten Banken der Welt unverhältnismäßig viele aus Japan. Aktuell zählt nur noch die Mitsubishi UFJ Group zu den zehn größten Banken der Welt (nach Bilanzsumme). 

Bisher begegnete man in Japan dem Fintech-Sektor mit einiger Skepsis. Im Vergleich zu Japan sind wir in Deutschland geradezu Fintech-Enthusiasten. Mehr noch als die Deutschen, sind die Japaner, wie es in dem Beitrag Japan befreit den Fintech-Sektor heisst, ausgesprochen risikoscheu. So gibt man im Land der aufgehenden Sonne dem Bargeld gegenüber Kreditkarten den Vorzug und lagert seine Aktien lieber zu Hause im eigen Safe. Nun aber will die japanische Finanzaufsicht das Geschäftsfeld Fintech liberalisieren, wie aus dem bereits erwähnten Beitrag hervorgeht. Dort steht:
Daher sollen die bürokratischen Hürden fallen. Dann dürfen Geld- und Finanzinstitute wie Banken künftig bis zu 100 Prozent von Firmen halten, die nicht im Finanzsektor tätig sind. Damit könnten sich die großen Finanzgruppen an Fintech-Dienstleistern etwa für Algorithmus-Handel oder der Blockchain-Infrastruktur für digitale Währungen beteiligen. Bisher dürfen die Megabanken nur 5 bis 15 Prozent solcher Firmen besitzen.
Einen weiteren Einblick in die Besonderheiten der japanischen Finanzbranche gewährt Japan’s suffocating fintech regulations are getting an update. Dort wird als Grund für die zögerliche Haltung Fintech gegenüber der verkrustete Markt genannt, der von wenigen Spielern beherrscht wird, die bisher keine große Neigung gezeigt haben, von ihrem Oligopol Abstriche zu machen. Beispielhaft dafür ist NTT Data:
Banks offset some risks associated with technology by relying on a handful of companies to supply the IT infrastructure. NTT Data, for example, runs a massive retail funds transfer system (PDF) covering most of the private banks of Japan. That means that a single company controls nearly 70 percent of the transactional data in Japan’s private banks.
NTT Data zeigt sich mittlerweile kooperativ. In diesem Monat soll ein Programm gestartet werden, in dem NTT seine Internet Banking API Startups zur Verfügung stellen will:
In a pilot program to start in April, NTT Data will open its internet banking API to connect fintech startups such as accounting services Freee and Money Forward with one of Japan’s largest banks, Shizuoka Ginko.
Die entscheidende Frage bleibt dennoch:
The question remaining is how much innovation will we see come from Japan as startups steal more services away from monolithic conglomerates.  ... Is it heading towards its next financial data monopoly or an era of open APIs and blossoming startups? No one knows for sure, but fintech is here to stay.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen