Samstag, 30. April 2016

Telekommunikationsunternehmen als Banken?

Von Ralf Keuper

Wenn immer mehr Bankgeschäfte über Smartphones abgewickelt werden, und das mobile Telefon die Bankfiliale ersetzt, dann überrascht es kaum, wenn Telekommunikationsunternehmen in ihrer Rolle als Infrastrukturdienstleister die Funktion einer Bank übernehmen. In Afrika sind Telekommunikationsunternehmen seit einiger Zeit erfolgreich im Bankgeschäft aktiv, wie Safaricom und Vodaphone mit M-Pesa
Häufig gehen Telekommunikationsunternehmen Kooperationen mit Banken ein, wie T-Mobile in den USA und Polen, oder übernehmen diese, wie Orange die Groupama Banque. Der Versuch von T-Mobile, in den USA im Bankgeschäft Fuss zu fassen, schlug indes fehl, wie aus T-Mobile Finally Gives up on Trying to be a Bank hervorgeht. Beim Start vor etwa zwei Jahren waren viele Kommentatoren, darunter auch ich, optimistisch, was die Erfolgschancen von T-Mobile in den USA betraf. 

T-Mobile warb damals mit der "Mobile Money App": 
Die im Angebot enthaltene "Mobile Money App" bildet die wichtigsten Funktionen eines Kontos ab. Herausgeber der an die App gekoppelten Debitkarte ist VISA. Bancorp sorgt für die buchungstechnische Abwicklung der Finanz-Transaktionen.

Mit der App können der Kontostand abgefragt, in Geschäften direkt bezahlt sowie Rechnungen an Firmen und Behörden beglichen werden. (Gehalts-) Schecks lassen sich mit der App ebenfalls einlesen. Ein weiterer Vorteil für die Zielgruppe ist, dass Arbeitgeber und Behörden das Geld auf das Mobile Money - Konto überweisen können (Eigenzitat).
Ob von diesem Rückzug auch die Aktivitäten in Polen betroffen sind, ist mir nicht bekannt. Kooperationspartner dort war oder ist die Alior Bank. 

Update

Mittlerweile liegen neue Informationen zur Kooperation T-Mobile und Alior Bank vor: T-Mobile Poland's banking services have 603,000 accounts.

Update:

Wie Bloomberg berichtet, hat Vodaphone den Versuch, M-Pesa in Südafrika zu etablieren, aufgegeben. Zur Begründung gibt Vodaphone an, dass die finanzielle Inklusion in Südafrika wegen des gut ausgebauten Banksystems sehr hoch und somit die eigentliche M-Pesa - Klientel, die sog. Unbanked oder Underbanked, an Zahl zu gering sei, um das Geschäft profitabel führen zu können. 

Als weitere Variante kommt nun die Verbindung eines Telekommunikationsunternehmens mit einer Online-Bank hinzu. Gemeint ist die Kooperation von Fidor und Telefonica, worüber Andrea Rexer in Telefónica - Die Millionen-Chance berichtet. Pluspunkt ist der Kundenstamm von Telefonica. Theoretisch hätte die Fidor Bank bzw. das Konto Zugang zu 19 Millionen Vertragskunden, was um so attraktiver erscheint, wenn man sich die Zahl der Kunden der Fidor Bank vor Augen hält, die sich laut Bericht auf 115.000 belaufen soll, was in etwa der einer mittelgroßen Sparkasse entspricht. Das Angebot richtet sich zunächst jedoch nur an die O2 - Kunden. 

So weit so gut.

Ob die Auswirkungen für die Fidor Bank tatsächlich so positiv sind, wie der SZ-Beitrag annimmt? Abgesehen von den organisatorischen Herausforderungen: Passt die Kooperation mit dem übermächtigen Telekommunikationsunternehmen noch zum Konzept des "Banking mit Freunden", zur  Kultur bzw. zum Selbstverständnis eines Fintech-Startups? Geht die alte Stammkundschaft diesen Weg mit? Droht Fidor damit nicht auf den Rang eines weiteren O2-Vertriebskanals bzw. -Kundenbindungsprogramms reduziert zu werden? Haben die O2-Kunden das Bedürfnis nach einer weiteren oder neuen Bankverbindung? 

Update:

Das Rat Pack äußert sich ebenfalls skeptisch zu den Erfolgsaussichten von O2 Banking. 

Weitere Informationen:

When a telco turns to banking

Why Banks and Telecoms Must Merge to Surge

Why banks may eventually want to become virtual telcos

Convergence of banking and telecoms

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