Samstag, 9. April 2016

Déjà-vu: Verliert Europa im Investmentbanking den Anschluss?

Von Ralf Keuper

Vom Investmentbanking geht noch immer eine hohe Anziehungskraft aus; daran konnte auch die Finanzkrise von 2008, deren Folgen wir noch immer spüren, nicht viel ändern. Und schon setzen Diskussionen ein, die den Verdacht nähren, als würde sich die Geschichte doch wiederholen. Beispielhaft dafür ist Investmentbanken. Wie US-Banken Europa überollen. Tenor des Beitrags ist, dass die europäischen Banken im Investmentbanking dabei sind, von den US-amerikanischen Instituten verdrängt zu werden. 

Die aktuelle Diskussion weist deutliche Parallelen zu der auf, die in den 1980er Jahren in Deutschland geführt wurde. Damals war die Deutsche Bank eines der ersten Institute, das im Investmentbanking nicht länger abseits stehen wollte, worauf auf diesem Blog in den Beiträgen Als die Deutsche Bank dem Duft der großen weiten Investmentbanking-Welt folgte und Der tiefe Sturz der Hochfinanz und seine Auswirkungen auf die Universalbanken näher eingegangen wurde. 

Weitere Beiträge: 
Ein Autor stellte damals mit Bedauern fest: 
Dagegen haben die deutschen Geldinstitute den Umbruch auf den internationalen Finanzmärkten weitgehend verschlafen. Dabei hätte das Investment Banking ihre Domäne werden können. Im vorigen Jahrhundert gab es kaum eine internationale Regierungsanleihe oder Industriefinanzierung ohne deutsche Führungsrolle. (in: Der tiefe Sturz der Hochfinanz, manager magazin Januar 1988) 
In dem Essay Deutsche Bank. Sie nennen es Sterbehaus berichten die Autoren davon, dass es durchaus interne Kritik an den Expansionsplänen im Investmentbanking gab. Schon früh wurde vor den Nebenfolgen einer strategischen Ausrichtung auf das Investmentbanking gewarnt.   

Wenn die letzten Jahre eines gezeigt haben, dann, dass das Investmentbanking insgesamt ein hoch riskantes Geschäft ist. Läuft es gut, winken Milliarden, läuft es nicht so gut, geht es schnell ins Minus. Der Vorwurf ist nicht ganz unberechtigt, dass Gewinne hier gerne privatisiert, Verluste dagegen sozialisiert werden. 

Auf der Höhe der Finanzkrise brachte der britische Wirtschaftshistoriker Neill Ferguson das Beispiel von Siegmund Warburg als Verkörperung eines "echten" Investmentbankiers; auf diesem Blog in Der Bankier Siegmund Warburg, oder: Die zeitlose Philosophie der Hochfinanz nachzulesen. Das Unheil begann für Ferguson und Warburg zu dem Zeitpunkt, als die Branche sich vom Relationship Banking hin zum Transactional Banking bewegte. Dort verharrt sie noch immer.

Übrigens: Es gibt auch andere Stimmen, die noch recht immun gegenüber dem Zauber des Investmentbanking sind, wofür der Beitrag Entzaubertes Investmentbanking - Briten ziehen Reißleine vom März vergangenen Jahres exemplarisch ist. Allerdings nehmen die Beiträge, die für eine Stärkung des Investmentbanking in Europa plädieren, nach meinem Eindruck zu. Das Kurzzeitgedächtnis bei dem einen oder anderen Autor ist recht ausgeprägt. Es scheint erneut das Motto zu gelten: 
Diesmal ist alles anders.
Wenn sie sich da mal nicht - wie schon so oft - täuschen. 

In der Studie Wirtschaftsjournalismus in der Krise - Zum massenmedialen Umgang mit Finanzmarktpolitik setzte ich die Otto-Brenner-Stiftung mit der Rolle der Medien und ihrer Berichterstattung in den Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise auseinander. Dabei kamen die Autoren zu dem Ergebnis: 
Die kritische Darstellung der neuen Finanzbranche, ihr Wandel von einem Dienstleister zu einer Art Finanzindustrie, die Folgen daraus für das Gemeinwohl, also die Perspektiven von Volkswirtschaft und Gesellschaft waren dagegen kein Thema. Wenn berichtet wurde, dann über die neue Finanzindustrie als Zeichen von internationaler Wettbewerbsfähigkeit und als Quelle für Gewinne und Arbeitsplätze am Standort Deutschland. Hier handelt es sich um eine Perspektivenverengung mit enormen Wirklichkeitsverlusten, die als schwere journalistische Verfehlung einzustufen ist.

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