Freitag, 20. Mai 2016

Das Internet kennt kein Regionalprinzip: Ein Dilemma für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken

Von Ralf Keuper

Es ist schon irgendwie paradox: Eigentlich wirbt das Internet mit seiner dezentralen Philosophie; mehr noch die Blockchain-Technologie.  Trotzdem verträgt sich das nicht mit dezentralen Verbünden und dem Regionalprinzip, wie sie für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken kennzeichnend sind. 

Hans-Peter Burghof, Lehrstuhlinhaber Bankwirtschaft an der Uni Hohenheim, bringt dieses Dilemma in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur auf den Punkt: 
Das Internet kennt kein Regionalprinzip, und insofern funktioniert das alte Sparkassenmodell im Internet nicht mehr. 
Dem ließe sich nun entgegenhalten, dass das Internet vielleicht kein Regionalprinzip im Sinne der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, wohl aber das Plattformprinzip kennt (Stichwort: GAFA), das zu einer Machtkonzentration führt, also dem dezentralen Ansatz widerspricht. 

Wenn Yomo eine "richtige" Internetbank sein will, dann geht das nicht ohne Zentralisation und Konzentration, d.h. die Smartphone Bank muss eigenständig sein und frei agieren können, ohne Rücksicht auf regionale Grenzen oder verbandspolitische Befindlichkeiten. Oder soll es demnächst 409 Yomo-Smartphone-Banken geben, d.h. jede Sparkasse hat ihre eigene Smartphone-Bank; jedenfalls eine eigene Oberfläche? Das ist schon allein aus IT-Sicht nahe am Harakiri. 

Die Regionalbanken haben ein Problem mit ihrem Organisationsmodell, das in dieser Form nicht mehr in die Zeit passt. Das gilt in besonderer Weise für die Sparkassen. Es wäre für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken eigentlich an der Zeit, das Modell der Hanse in die Digitalmoderne zu überführen, wenn sie schon nicht, aus nachvollziehbaren Gründen, von ihrem Regionalgedanken und ihrem dezentralen Ansatz Abschied nehmen wollen. 

Weitere Informationen / Update:

Welche Chancen hat Yomo, der N26-Klon der Sparkassen?

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