Donnerstag, 14. Juli 2016

Anmerkungen zur Deutschen Bank

Von Ralf Keuper

Seit Jahren sorgt die Deutsche Bank mit negativen Schlagzeilen für Aufsehen und zum Teil auch Unmut in der Bevölkerung sowie bei den eigenen Mitarbeitern. Alle Bemühungen in der jüngeren Vergangenheit, das Steuer herum zu reißen, schlugen bis dato fehl. Eine klare Strategie ist nicht zu erkennen, weder in Sachen Digitalisierung noch im klassischen Bankgeschäft. Einerseits sucht die Bank demonstrativ die Nähe zur Fintech-Szene und hebt eine Digitalfabrik aus der Taufe, andererseits werden die Pläne, in den USA mit einer Digital Bank an den Start zu gehen, ad acta gelegt. Der Versuch mit der Postbank im Retail-Banking Fuss zu fassen, wurde ebenfalls aufgegeben. 

Nach Ansicht des IWF ist die Deutsche Bank derzeit das größte Systemrisiko für den internationalen Finanzmarkt. Schon wird in den Medien, wie in Deutsche Bank to Initiate the Next Financial Crisis? Stock Could Be Headed to Zero, die Frage diskutiert, ob die Deutsche Bank in Nachfolge von Lehman Brothers die nächste Finanzkrise auslösen könnte. Bei der Gelegenheit wird gerne James Chappell, Analyst der Berenberg Bank, mit der Aussage zitiert:
facing an illiquid credit market limiting Deutsche Bank's ability to deliver and with core profitability impaired, it is hard to see how [Deutsche Bank] can escape this vicious circle without raising more capital. The CEO has eschewed this route for now, in the hope that self-help can break this loop, but with risk being re-priced again it is hard to see [Deutsche Bank] succeeding.
Zerohedge merkt in Analyst Warns Deutsche Bank's Problems May Now Be "Insurmountable" an: 
According to Chappell, the biggest problem, of which DB has many, is that it simply has too much leverage, some 40x to be precise, something we have warned about since 2013.  
Andere Analysten sehen die Lage entspannter wie Fidel Helmer in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Allerdings wird darin das von Chappel diagnostizierte Dilemma der Deutschen Bank nicht erwähnt. Ausgewogen berichtet die Börse am Sonntag in Die fünf Probleme der Deutschen Bank. Weniger optimistisch klingt es  dagegen in Deutsche Bank Is Not The Only Problem Among European Banks. Der letztgenannte Beitrag hebt u.a. hervor, dass der Börsenwert der Deutschen Bank derzeit nur 10 Prozent des Höchststands von 2007 beträgt. 

Daraus erklärt sich wohl auch, dass einige Aktienanalysten von einem steigenden Aktienkurs der Deutschen Bank ausgehen. Für Max Otte ist die Deutsche Bank gar einen "Zock" wert. Andere wiederum wollen Parallelen zur Kursverdreifachung ab März 2009 erkennen. Die Experten der UBS dagegen raten, wie viele andere, zu einem Verkauf. Die Investorenlegende George Soros hat mit 100 Millionen Euro auf fallende Aktienkurse der Deutschen Bank gewettet. 

Angesichts dieser doch etwas unübersichtlichen Gemengelage kann es nicht schaden, den Rat von Warren Buffett zu beherzigen:
Ein Investor wird eher erfolgreich sein, wenn er ein gutes wirtschaftliches Urteilsvermögen mit der Fähigkeit paart, seine Gedanken und sein Verhalten gegen die höchst ansteckenden Stimmungen, die auf dem Marktplatz umherschwimmen, zu immunisieren (Quelle: Die Essays von Warren Buffett - Das Buch für Investoren).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen