Dienstag, 19. Juli 2016

Bitcoin: Die stille Macht der Minengesellschaften #2

Von Ralf Keuper

Um die digitale Währung Bitcoin ist es in den letzten Monaten etwas ruhiger geworden. Die Aufmerksamkeit kreist stattdessen um die Blockchain-Technologie.
Anfang des Jahres sorgte der demonstrative Rückzug des Bitcoin-Entwicklers Mike Hearn für einige atmosphärische Störungen in der Bitcoin-Community. Dabei kamen auch einige Differenzen zum Vorschein, die eher politischer als technologischer Natur sind. Im Zentrum stand dabei die Frage nach der Ausweitung der Verarbeitungskapazität, d.h. die Zahl der Transaktionen, die mit Bitcoin abgewickelt werden können. In dem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass die chinesischen Minengesellschaften bzw. Pools über einen maßgebenden Einfluss im Bitcoin-Netzwerk verfügen, was der betont dezentralen Bitcoin-Philosophie widerspricht, wonach kein Akteur oder eine Gruppe Gleichgesinnter mehr als 50 % Prozent der Verarbeitungskapazitäten auf sich vereinigen darf bzw. soll. Die stille Macht der Minengesellschaften war bereits vor anderthalb Jahren auf diesem Blog ein Thema

An der Dominanz der chinesischen Minengesellschaften besteht mittlerweile kein Zweifel mehr, wie Nathaniel Popper in How China Took Center Stage in Bitcoin’s Civil War schreibt: 
Yet despite the talk of a borderless currency, a handful of Chinese companies have effectively assumed majority control of the Bitcoin network. They have done so through canny investments and vast farms of computer servers dispersed around the country. 
Popper berichtet von einem Treffen zwischen amerikanischen und chinesischen Bitcoin-Unternehmern, bei dem die Amerikaner sich in einer für sie recht ungewohnten Rolle befanden:
The Chinese companies, though, had the ultimate decision-making power over any changes in the software, and they did not agree with the American delegation. The Chinese had thrown in their lot with another group of longtime programmers who wanted to keep Bitcoin smaller, in part to keep it more secure. The Americans hoped to persuade the Chinese to switch sides.
Es ist jedoch nicht so, dass sich die chinesischen Minengesellschaften und Bitcoin-Unternehmer in allen Fragen einig sind. Überdies sind nicht alle von ihrem Einfluss angetan. Lieber würden sie ihrem Geschäft nachgehen, als sich mit "gruppendynamischen Prozessen" beschäftigen zu müssen. Die Mehrheit von ihnen lehnt eine Erweiterung der Verarbeitungskapazitäten ab; es gibt aber auch einflussreiche Akteure, wie Jihan Wu, Inhaber von Bitmain, die eine Erweiterung fordern. Popper bezeichnet Wu als den womöglich einflussreichsten Vertreter in der chinesischen Bitcoin-Industrie. Weitere Bitcoin-Unternehmen bzw. Pools mit großem Einfluss in China und der Welt:
In der internationalen Bitcoin-Community geht die Sorge um, dass die chinesische Regierung die heimischen Unternehmen dazu auffordern könnte, ihren Einfluss geltend zu machen und die Regeln zu bestimmen, u.a. durch Ausübung ihres Vetorechts. Die chinesische Regierung strebt in allen von ihr als wesentlich deklarierten Wirtschaftszweigen eine Dominanz, wenigstens eine führende Rolle an.

Weitere Informationen:

Island - die "Neue Schweiz" der Daten?

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