Donnerstag, 7. Juli 2016

Die digitale Transformation der Banken verfehlt ihr Ziel

Von Ralf Keuper

Es ist schon ein Glaubensbekenntniss, dass die Banken mittels "Digitaler Transformation" die Herausforderungen der Zukunft meistern können. Man müsse im Grunde genommen die Prozesse und Abläufe nur digitalisieren und den Kunden eine möglichst angenehme Customer Journey bieten - und schon ist die Zukunft gesichert und der Wandel vollzogen. Diesem Ansatz liegt allzu häufig noch die Vorstellung zugrunde, die gute alte Bank ließe sich - mit einigen Abstrichen zwar - in das das Netz überführen. An der bisherigen Geschäfts- und Organisationslogik, am Organizational Design, brauche sich nicht viel zu ändern. Das nötige Handwerkszeug stehe mit Six Sigma und anderen Verfahren der Prozessautomatisierung längst zur Verfügung. 

Im Gegensatz dazu ist Vincente Quesada deutlich pessimistischer. Wie er in Digital Banking Transformation: BBVA vs. Banco Santander schreibt, werden die Banken in den nächsten fünf Jahren seiner Schätzung nach 50% Prozent ihres Geschäfts verlieren. 
Die Banken verfolgen bei ihrer Digitalen Transformation drei Varianten: 
  • Purchasing and integrating existing companies.
  • Develop projects internally.
  • Creating a platform where others offer their fintech products and the bank become a middleman of the generated value. A financial iTunes
Leider sei das, so Quesada, nicht einmal die halbe Miete. Im weiteren Verlauf stellt er 10 Variablen vor, anhand derer sich die Erfolgsaussichten der Digitalen Transformation bewerten lassen. Gemessen daran sind selbst die vielfältigen Aktivitäten der BBVA eher kosmetischer Natur. An der Unternehmenskultur, an dem Organisationsgedächtnis und dem Organizational Design vermögen sie nicht viel zu ändern. 

Ob die Schätzung von Quesada eintrifft, sei dahin gestellt. Die Variablen, die er vorstellt, sind für eine Diagnose durchaus von Wert. 

Ein Fintech-Layer, wie Bernd Schall in Fintechs: Banken an der Legacy-Schranke meint, wird an dem Problem daher kaum etwas ändern. Wäre es nur eine Frage der Alt-Systeme, dann läge er richtig. Das ist aber nur ein Teil des Problems und noch nicht einmal der wichtigste. Das ist ein Rezept aus der guten alten Zeit, in der es ausreichte, die neuesten Technologien zu adaptieren.

Weitere Informationen:

Schritte zur erfolgreichen digitalen Transformation

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