Freitag, 15. Juli 2016

Kernbankensysteme: Gelingt VaultOS die kopernikanische Wende?

Von Ralf Keuper

Seit etlichen Jahren lese ich, dass die Banken dringend ihre Kernbankensysteme erneuern müssten, wenn sie nicht den Anschluss an die technische Entwicklung verlieren wollen - und das lange vor dem Erscheinen der Digitalisierung und von Fintech in der öffentlichen Diskussion. Geändert hat sich daran, folgt man wiederum den diversen Berichten in den Medien, kaum etwas. 

Wenn sich überhaupt so etwas wie ein Trend erkennen lässt, dann insofern, als dass sich Open API und Modularisierung durchzusetzen beginnen. Dass die Erneuerung des Kernbankensystems voller Tücken ist, belegte zuletzt die Deutsche Bank mit Magellan. Die Fiducia & GAD versucht sich derweil an der Quadratur des Kreises. Ein glückliches Händchen wird dagegen der Sparkassengruppe mit OSPlus bescheinigt. Dort hat man zunächst den Buchungskern (S-Buchen) gebaut und dann die nächsten Module umgesetzt, wodurch eine vergleichsweise hohe Flexibilität erreicht wurde.

Trotz allem bleibt die Gretchenfrage, ob die Auswechslung des Kernbankensystems immer die richtige Wahl ist

Es fehlt nicht an neuen innovativen Lösungen, die versuchen, mehr Flexibilität und eine Transaktionsverarbeitung in Echtzeit zu ermöglichen, wie Corezoid, Nymbus, nCino oder Appway. Und nicht zu vergessen: MambuDeloitte und andere basteln derzeit an einer Blockchain-Modellbank.

In dieser Woche nun ist ein neuer Stern mit dem Namen VaultOS am Himmel der Kernbankensysteme erschien, worüber Business Insider in Ex-Google engineers have spent 2 years secretly trying to solve 'the hardest problem in banking' berichtet.

Dort heisst es u.a.:
VaultOS is a bit like Amazon Web Services or Google Drive, but for what's called "core banking" — the technology that allows banks to hold deposits and accounts. Essentially, it's the heart of banking, around which everything else is built.
Weiterhin setzt VaultOS, das von dem Unternehmen Thought Machine entwickelt wurde, auf die Blockchain-Technologie, im Sinne einer private Blockchain, wobei vor allem Smart Contracts zum Einsatz kommen:
VaultOS is based on "smart contract" technology that allows people to tailor their own products such as mortgages, loans, and overdrafts.
Als Benchmark gibt Mark Warrick, director of creative and design bei Thought Machine, die NikeID an. Ebenso wie sich bei Nike die Kunden ihre eigenen Farben und Muster für ihre Schuhe aussuchen können, soll es mit VaultOS möglich sein, sich seine eigenen Bankprodukte zu konfigurieren. Ob sich die Mass Customization im Banking durchsetzen wird, steht für mich jedenfalls noch in den Sternen. Die Gefahr, dadurch in eine Komplexitätsfalle zu geraten, ist m.E. hoch. 

Warten wir also ab, ob es VaultOS und anderen gelingt, die kopernikanische Wende (Mass Customization statt Massenstandard) bei den Core Banking Systemen zu vollziehen. 

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