Donnerstag, 11. August 2016

Anlagepolitik der Sparkassen in der Kritik: Lieber Wertpapiere als Kredite?

Von Ralf Keuper

Die Stimmen, die öffentlich Zweifel an der "Nachhaltigkeit" des Geschäftsmodells der Sparkassen äußern, werden nicht weniger. Beispielhaft dafür ist die Studie Die Wertpapiergeschäfte der Sparkassen. Eine Analyse der Anlegepolitik der deutschen Sparkassen von Prof. Dr. Ralf Jasny. 

In der Pressemitteilung Erfüllen alle Sparkassen ihren öffentlichen Auftrag? Studie untersucht die Wertpapiergeschäfte aller 413 deutschen Sparkassen der Frankfurt University of Applied Sciences, an der Ralf Jasny lehrt, heisst es u.a: 
Die Untersuchung hat ergeben, dass 72 Sparkassen (rund 17 % aller Sparkassen) weniger als die Hälfte ihrer Bilanzsumme als Kredite an Kunden vergeben, bei acht Sparkassen liegt die Quote bei unter 30 %. Stattdessen werden die Kundengelder überwiegend in Schuldverschreibungen angelegt. „Diese Anlagepolitik hat mit der Erfüllung des gesetzlich verankerten öffentlichen Auftrags der Versorgung der regionalen Wirtschaft mit Krediten nichts mehr zu tun“, kommentiert Prof. Dr. Ralf Jasny, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzdienstleistungen an der Frankfurt UAS, die Ergebnisse. „Es entsteht der Eindruck, dass sich manche Sparkassen mehr auf den Wertpapierhandel konzentrieren als auf das Kreditgeschäft mit regionalen Kunden. Die Filialschließungen vielerorts passen hier ins Bild.“
 Doch damit nicht genug (Hervorhebung von mir):
Manche Sparkassen legen die Kundengelder mittlerweile in spekulativen Anlageformen an. 43 Sparkassen (rund 10 % aller Sparkassen) investieren mehr als 15 % ihrer Bilanzsumme in Aktien und anderen nicht festverzinslichen Wertpapieren. 13 Sparkassen haben sogar mehr als 20 % in riskanten Anlagen angelegt. „Diese Sparkassen bewegen sich auf gefährlichem Terrain. Ohne die Erträge aus den fremdgemanagten spekulativen Wertpapieranlagen müsste jede achte Sparkasse in Deutschland operativ einen Verlust ausweisen. Es handelt sich dabei um ein Strukturproblem einzelner Sparkassen, das das ursprüngliche Geschäftsmodell in Frage stellt“, erklärt Jasny.
Aufgegriffen wurde die Studie u.a. von Gevestor in Die ganze Wahrheit über die miserable Lage der Sparkassen

Weiterführende bzw. grundsätzliche Gedanken über die Finanzierung der Sparkassen und Volksbanken enthält der Beitrag Wie finanzieren sich künftig Volksbanken und Sparkassen?. Dort ist u.a. zu lesen:
Noch werden aus alten bestehenden Hypothekendarlehen erträgliche Einnahmen erzielt. Der boomende Immobilienmarkt sowie Geldmarkt- und Darlehens-Geschäfte scheinen noch ausreichend gewinnträchtig.

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