Donnerstag, 18. August 2016

Das Geschäftsmodell der Banken ist hinüber #2

Von Ralf Keuper

Das Geschäftsmodell der Banken steht derzeit von mehreren Seiten unter Druck. Zum einen durch die fortschreitende Digitalisierung, die es neuen Mitbewerbern relativ einfach macht, Bankdienstleistungen anzubieten, zum anderen durch das Niedrigzinsumfeld sowie die Umsetzung der regulatorischen Bestimmungen. Hinzu kommen noch interne Faktoren, wie die Anreizsysteme und Bonusregelungen sowie die z.T. veralteten IT-Systeme. 
So neu ist diese Konstellation jedoch nicht. Mitbewerber, die in das Bankgeschäft drängen, gab es auch in der Vergangenheit, ein ungünstiges Zinsumfeld ebenfalls, und die Regulierung ist auch keine Erfindung der letzten Jahre. 

Erste Abnutzungserscheinungen bereits in den 1970er Jahren 

Die ersten Abnutzungserscheinungen zeigten sich bereits zu Beginn der 1970er Jahre, als einige Banken sich Spekulationsgeschäften zuwandten, da die Einnahmen aus dem "gewöhnlichen" Geschäftsbetrieb, d.h. vor allem die Einnahmen aus der Zinsdifferenz, nicht mehr ausreichten, um einen Gewinn erzielen zu können. Beispielhaft dafür ist die Herstatt-Bank.

Die schwache Ertragslage im Spannengeschäft zwischen den Einlagen- und den Kreditzinsen sollte durch Gewinne im Wertpapiergeschäft ausgeglichen werden. Tatsächlich entwickelte sich in den siebziger und achtziger Jahren eine bis dahin unvorstellbare Nachfrage nach Aktien, die die Kurse der Wertpapiere in ungeahnte Höhen trieb.  .. 

Angesichts der verringerten Spannen im Kreditgeschäft der siebziger und vor allem der achtziger Jahre begaben sich zahlreiche Bankdirektoren auf die Suche nach neuen Ertragsquellen und entdeckten die Derivate.
Bleibt nur die Spekulation?

Es hat den Anschein, als stünde den Banken auf Dauer für die Erzielung hoher bzw. ausreichender Gewinne nur die Spekulation zur Verfügung. Wohin das führen kann, hat die Finanzkrise von 2008 gezeigt. Denn, dieses Spiel funktioniert nur unter bestimmten Bedingungen und das auch nur für relativ kurze Zeit. Barazon schreibt: 
Das Geschäft funktioniert nur, wenn die allgemeine Stimmung die Chancen größer einschätzen lässt als die Gefahren, wenn also viele bereit sind diese Form des Glücksspiels zu betreiben. Ist dies nicht der Fall, bricht das System, das nicht auf realen Transaktionen beruht, zusammen. Dies war in spektakulärer Weise 2008 der Fall.
Derivate, die in der letzten Finanzkrise die Rolle von "Brandbeschleunigern" (Warren Buffett) übernahmen, wurden von der Regulierung übrigens bis heute nicht verboten. Die Exposures an Derivaten der großen Banken, allen voran die Deutsche Bank, haben erneut gigantische Ausmaße angenommen.

Wie wichtig das Wertpapiergeschäft auch für kleinere Banken ist, zeigt eine Studie von Ralf Jasny über die Anlagepolitik der deutschen Sparkassen

Privatkundengeschäft verliert für die Banken an Attraktivität

Wie die Unternehmensberatung Horváth berichtet, wird das Privatkundengeschäft für die Banken unprofitabel. Dieser Befund gilt allerdings schon seit den 1970er Jahren. 

Wie auch immer. Jedenfalls greifen die Banken in den nächsten Jahren auf bewährte Mittel zurück: Es sollen Kosten gesenkt und die Preise erhöht werden. Ferner soll die Zusammenarbeit mit Fintech-Startups forciert werden und der Einsatz von Robo-Advisern erfolgen. 

Bilanzmanagement hat weiterhin Vorrang

Aus all dem wird deutlich, dass für die Banken auch in Zukunft das Bilanzmanagement Vorrang hat. Kooperationen mit Fintech-Startups sind ein Teil davon. Es ist mehr als fraglich, ob diese Strategie zum Erfolg führt. Solange keine wirklich neuen Erlösquellen gefunden werden und die Abhängigkeit von z.T. hoch riskanten Spekulationsgeschäften bleibt, werden die Probleme bleiben - mit den bekannten Folgen bzw. Folgekosten. 

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