Samstag, 13. August 2016

Die Banken betreiben überwiegend Bilanzmanagement

Von Ralf Keuper

Die Niedrigzinsen werden von den Banken derzeit gerne herangezogen, um die Erhöhung der Gebühren oder die Berechnung von "Negativzinsen" zu rechtfertigen. Die Abhängigkeit von den Einnahmen aus der Zinsdifferenz und den üblichen Provisionen ist groß; andere Einnahmequellen stehen nicht zur Verfügung oder werden nicht in Erwägung gezogen. Kurzum: Man betreibt in den Banken überwiegend Bilanzmanagement. 

Bilanzmanagement reicht künftig nicht mehr aus

So sehr eine gesunde Bilanz das Ziel einer jeden Bank sein sollte, so kann der Zweck einer Bank nicht allein darin bestehen, die Einnahmen aus Zinsen, Gebühren und Provisionen zu optimieren und unkalkulierbare Risiken zu vermeiden. Sofern auch alle anderen Banken diese Strategie bevorzugen, bleibt für Differenzierung nur wenig Raum. Keiner versucht den Rahmen des Geschäfts zu verändern und neue Einnahmequellen zu erschließen. Man betreibt das Geschäft aus purer Gewohnheit. Gehen die Einnahmen zurück, wird an der Gebührenschraube gedreht oder es werden andere Formen der Umlage kreiert, wie bei der GLS Bank mit dem "Mitgliedsbeitrag". Das sind Mittel, um ein Geschäftsmodell, das eigentlich nicht mehr funktioniert, noch am Leben zu erhalten. Diese Strategie war bereits in der Vergangenheit nur selten von dauerhaftem Erfolg gekrönt, um so weniger in dem aktuellen Wettbewerbsumfeld, das von einer hohen Zahl neuer, z.T. branchenfremder Mitbewerber bevölkert wird, wie von Fintech-Startus und den großen Internetkonzernen. Die Banken betreiben letztlich Besitzstandswahrung und nutzen hierfür ihre Kontakte in die Politik. Damit lässt sich der Wandel jedoch nicht aufhalten.

Die unternehmerische Bank 

In der Vergangenheit waren es unternehmerische Persönlichkeiten, die große und erfolgreiche Banken gründeten, wie Jakob Fugger, Georg von Siemens, Carl Fürstenberg, David Hansemann und J.P. Morgan. Zu diesem Kreis können auch die Väter der Genossenschaftsbanken, Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze Delitzsch gezählt werden. Diese Personen waren mit den aktuellen Entwicklungen in der "realen" Wirtschaft bestens vertraut. Nicht wenige griffen, wie J.P. Morgan, aktiv in die Gestaltung eines neuen Industriezweiges ein. Es war nicht ihr Ziel, das Bankgeschäft gewohnheitsmäßig zu betreiben, da sie wussten, dass sie sich ansonsten auf das reine Bilanzmanagement hätten beschränken müssen, was ihnen zu "riskant" und wohl auch zu langweilig, zu wenig kreativ war. Für Peter F. Drucker wandelten sich die Bankiers nach dem Napoleonischen Kriegen von Geldverleihern zur unternehmerischen Bank. Der erste unternehmerische Bankier war für Drucker der Comte de Saint-Simon:
Kurz nach dem Napoleonischen Kriegen entwickelt der Comte de Saint-Simon das Konzept der unternehmerischen Bank: gezielte Nutzung von Kapital zur Erzeugung von Wirtschaftswachstum. Bis dahin waren die Banken in erster Linie Geldverleihinstitute, die Darlehen nur gegen "Sicherheit" gewährten wie z.B. die "Steuerhoheit" eines Fürsten. Saint-Simons Bankier sollte investieren.
Der Kontrast dazu war für Joseph Schumpeter der Privatbankier als Rentier: 
Der Privatbankier dieses Charakters ist der Typus einer Kapitalistenklasse, die durch  die Tatsache des Zinses geschaffen wird und die im Laufe der Entscheidung sich herausgebildet hat. Dem geschäftlichen Leben ist sie wohlbekannt. Ein solcher Kapitalist wird sowohl vom typischen Bankier wie vom Unternehmer unterschieden. Er ist der Rentner, der Mann, der von seinen Zinsen lebt. Er ruht auf vergangenen Unternehmertaten, die ihm wegen des Bestehens des Agios gegenwärtiger Kaufkraft ein bleibendes Einkommen sichern (in: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung).
Verpasste Chancen: B2B, Online Bezahlen und Mobile Payments

In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Banken, um mit Schumpter zu sprechen, auf ihren Lorbeeren ausgeruht und sich in dem Glauben gewogen, unabkömmlich und damit ohne echte Konkurrenz zu sein. Wer immer ihnen das Geschäft streitig machen wollte, musste selber eine Bank sein, womit eine gewisse Angleichung der Erlös- und Kostenstrukturen gegeben war. Daraus erklärt sich auch der späte Einstieg der deutschen Banken bei den online-Bezahlverfahren. Im Bereich B2B hat man den Anschluss ebenfalls vor langer Zeit verpasst. 

Banken als Consulting Financial Engineers

Überlegungen, wie die Banken ihre Rolle neu definieren könnten, gab es in der Vergangenheit durchaus, wie von Jürgen Ponto, der in den 1970er Jahren schrieb:
Die Banken werden zunehmend die Rolle einer Clearingstelle und Drehscheibe eines auf die praktischen Bedürfnisse der Wirtschaft abgestellten Beratungs- und Informationsflusses zu übernehmen haben. ... Das hier nur anzudeutende zukunftsträchtige Feld nützlichen Zusammenwirkens über den engeren Bereich des klassischen Bankgeschäfts hinaus wäre vielleicht nicht unzutreffend mit dem Begriff "Consulting Financial Engineers" zu umschreiben, einer Bezeichnung, die eines Tages auf den Firmenschildern der Banken auftauchen könnte (in: Mut zur Freiheit)
Davon sind wir heute mehr denn je entfernt.  

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