Dienstag, 6. September 2016

Digital Banking Manifesto: Das Ende der Banken?

Von Ralf Keuper

Über die Frage, ob die Banken demnächst von der Bildfläche verschwinden werden, wird seit geraumer Zeit diskutiert. Häufig werden Vergleiche zu anderen Branchen, wie der Medienindustrie gezogen, um zu verdeutlichen, wie ernst die Lage bereits ist. Bisher jedoch sind die Banken dem Schicksal der Dinosaurier entgangen, wohl auch deshalb, da viele von ihnen systemrelevant bzw. too big to fail sind, andererseits, weil es sich hier um einen vergleichsweise stark regulierten Markt mit hohen Eintrittsbarrieren handelt. Ob die Fintech-Startups einen dauerhaften Stilwandel, einen Stilbruch im Banking herbei führen können oder nur ein Übergangsphänomen sind, bleibt daher abzuwarten. 

Die drei Technologiewellen des Banking 

In der Vergangenheit hat es an Versuchen, die Banken durch den Einsatz neuer Technologien, zumindest in Teilen, zu ersetzen, nicht gefehlt. Einige, wie die Forscher vom MIT in ihrem Digital Banking Manifesto  definieren drei Wellen, die in den letzten Jahrzehnten für einen Beschleunigungsschub im Banking gesorgt haben. Mittlerweile ist die Vision einer Digital Bank dabei, Realität zu werden.

Erste Welle: Inkrementelle Veränderungen 

Die erste Welle wird von der Einführung der Geldautomaten und der Verbreitung des Online-Banking repräsentiert. Federführend waren damals die Citibank und die Chemical Bank. Fortan waren die Kunden für die Erledigung ihrer Bankgeschäfte nicht mehr an die Öffnungszeiten der Filialen gebunden. Das MIT spricht in dem Zusammenhang von inkrementellen Veränderungen.

Zweite Welle: Digitale Hybride 

Die zweite Welle wurde von den ersten Internet-Banken angeführt. Prominentester Vertreter war die NetBank, die im Jahr 1996 gegründet wurde. Die Autoren bezeichnen diese neuen Banken als digitale Hybride, da sie, wie die Bank Simple, auf die Back End -Systeme und/oder die Bank-Lizenzen anderer Institute (White Labeling) angewiesen sind. Ein Befund, der für die Mehrheit der Fintech-Startups gilt. Zur Kategorie der zweiten Welle zählen die Autoren Fidor, Atom Bank, LHV Bank und die DBS Digibank. 

Dritte Welle: Digital Bank of the Future

Die dritte Welle sorgt für die Verbreitung der Digital Bank of the Future (DBF).  Diese basiert auf einer neuen Technologieplattform, einem neuen Technologie-Paradigma:
Taking a breakthrough approach to data security, DBF will eschew a central data repository, easily attacked, in favor of a secure, encrypted, distributed data system. Personal data stores not only permit better digital walleting, but also greater security around personal biometric data which is integral to the digital bank’s security protocols. 
Daran schließt sich die Frage nach der Zukunft der Banken, wie wir sie noch kennen, an:
The new technology paradigm begs the question: what role do banks truly have in the new world? Have we reached the end of banks in the way we know them? Is it possible that fractional banking is on its last legs and the introduction of government issued digital cash which can be stored in a digital wallet outside the banking system will put the last nail in its coffin?
Anders, als mane es erwarten dürfte, kommt die Blockchain-Technologie nur am Rande vor. Diese wurde in einem anderen Paper des MIT gesondert behandelt. Dennoch: Es geht auch ohne ;-)

Im weiteren Verlauf wird die Digital Bank of the Future aus Sicht der Investoren, Kunden und der Bank selber analysiert. 

Digital Bank of the Future - Größe und Grenzen 

Ob eine reine Digital Bank die Alternative zu den bestehenden Banken ist, ist fraglich. Sobald die Vollbanklizenz angestrebt wird, ist der Herausforderer-Bonus, der Reiz des Neuen, schnell dahin und der Kostenapparat ebenso wie die Organisationsstrukturen gleichen sich dem der klassischen Banken an, wie u.a. Lionel Laurent in Fintech's License to fail bemerkt. Eine Digitale Bank muss, wenn sie eine Chance haben will, zu einer Plattform werden oder Teil einer solchen werden. Das aber bedeutet, dass das Angebot weit über das klassische Banking hinaus geht. 

Trotzdem sind einige Aussagen bzw. Bausteine des Digital Banking Manifesto, das nach meinem Eindruck große Ähnlichkeit mit dem Modell der Everyday Bank hat, eine Überlegung wert. Digital Wallet, Personal Data Stores, Sicherheit, Verschlüsselung - das sind Themen, denen sich die Banken in der Zukunft stellen müssen, so sie nicht wirklich aussterben wollen. Schon jetzt können wir die Aussage treffen bzw. die Prognose wagen, dass wir in Zukunft unter ein Bank etwas anderes verstehen werden, als es heute noch der Fall ist. 

So gesehen, kann man den Autoren in ihrer Diagnose nur zustimmen:
While major industries, including retail, travel, communications, and mass media have undergone revolutionary changes in their business models in the last thirty years or so, banking remained static at its core, living on its past glories and ignoring the winds of changes.

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